"The Swan": Blutige Nasen

7. Februar 2005, 19:00
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Unerklärlich, warum die Verschönerungsshow bei den Leuten quotenmäßig nicht ankommt ...

Unerklärlich, warum die Verschönerungsshow "The Swan" (ProSieben), wie es heißt, bei den Leuten quotenmäßig nicht ankommt - hat die Sendung doch die Frage, mit der sich Philosophen so lange herumquälten, nämlich jener, was uns eigentlich im Leben wirklich glücklich macht, ein für alle Mal gelöst.

Ein paar Tage Narkose. Drei bis vier Operationen. Einige Kontakte mit Fettabsaugpumpen und Skalpelldoktoren. Ja, und alle existenziellen Problemzonen sind abgesaugt wie jenes bisschen Fett am Oberschenkel. Die Quotendepression wundert: Die strahlenden Gesichter der Damen, die bei ihrem ersten Nach-OP-Blick in den Spiegel sicher nicht deswegen weinend zusammenbrechen, weil sie sich selbst nicht mehr erkennen, sodann in den Armen ihrer Liebsten runderneuert ruhen, sie sind doch ein Beweis dafür, dass von Aristoteles bis Schopenhauer alle Denker am Wesentlichen vorbeigegrübelt haben. Es musste ProSieben kommen und das Rätsel lösen - bitte dem Sender einen Lehrstuhl auf der Uni!

Sicher, die Bilder aus dem OP, die meterlangen Schläuche in Bäuchen, die blutigen Messer im Gesicht und die in Narkose zitternden, schmerzverzerrten Gesichter - also jene gruseligen Augenblicke, die die Sendung als Schlachthaus erscheinen lassen - sind womöglich ein wenig gewöhnungsbedürftig. (tos/DER STANDARD, Printausgabe, 24/25./26.12.2004)

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