Bankräuber haben Problem mit Beute

27. Dezember 2004, 11:15
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Die in Nordirland geraubten Banknoten werden im Ausland nicht akzeptiert

Belfast - Zum bisher größten Bankraub in der Geschichte Nordirlands sind am Mittwochabend neue Details bekannt geworden. Nach Aussage von Nachbarn gaben sich die Täter als Polizisten aus und teilten dem Bankangestellten mit, dass ein Verwandter in einen Autounfall verwickelt sei. Im Haus hätten sie dann ihre Waffen gezogen.

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, besetzten die Täter die Wohnhäuser von zwei leitenden Angestellten der Belfaster Northern Bank und nahmen die Familienangehörigen als Geiseln. Dann zwangen sie die Manager, ihnen nach Geschäftsschluss am Montag den zentralen Tresor aufzuschließen.

Geldwäsche

Mindestens vier Geiselnehmer hätten jeweils eine Gruppe der Geiseln bewacht, sagte der in diesem Fall ermittelnde Kommissar Andy Sproule. Die Gangster hätten sehr darauf geachtet, keine Spuren zu hinterlassen, die Aktion sei sorgfältig geplant und das Werk von Profis, ergänzte Sproule.

Dutzende Polizisten befragten am Mittwoch die Familien und Mitarbeiter der Northern Bank, die um 22 Millionen Pfund (31,5 Millionen Euro) beraubt wurde. Zuvor war nur von 20 Millionen Pfund die Rede gewesen. Die Geldwäsche der enormen Summe dürfte für die Bankräuber zum Problem werden: In Nordirland produzieren einige Banken das Geld selbst, im aktuellen Fall waren es vier Kreditinstitute. Obwohl die Banknoten britische Pfund sind, sind sie als nordirisch zu erkennen.

Das Geld wird daher in vielen Teilen Großbritanniens oder im Ausland nicht akzeptiert. Somit muss es in Nordirland selbst wieder in Umlauf gebracht werden. Auffällige Großinvestitionen durch Bargeld werden deshalb nun genau überprüft. (AP/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2004)

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