Wer ist Sedlacek? Egal.

29. Dezember 2004, 22:16
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Der Czernin Verlag hat Doris Knechts Kolumnen verlegt. Hurra!

Frechheit, brüllt die Knecht, quasi noch bevor sich meine Stilettos an Bartemperatur gewöhnt haben: Alle hätten schon und wir noch immer nicht. Und überhaupt. Stimmt, sage ich kleinlaut, ist aber nichts Persönliches. Und dann müssen alle auf der Weihnachtsfeier noch tanzen, aber das schlechte Gewissen drückt ordentlich auf meine hohen Hacken, denn eigentlich sollte ich längst schreiben: über Doris Knechts neues Buch Hurra nämlich - noch VOR Weihnachten, wenn geht. Und neu ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch nicht mehr ganz richtig, weil eben schon alle . . . Egal.

Der Czernin Verlag hat die Kolumnen der österreichischen Journalistin Doris Knecht (Sie wissen: Falter, profil, Presse, Kurier), die sie für das Magazin des Zürcher Tagesanzeiger (Untertitel: Wien-Zürich-Wien Anleitungen zum Doppelleben in 111 Schritten) geschrieben hat, verlegt. Und nach geballter Lektüre stellen sich regelrechte Aha-Effekte ein - und zwar folgende: Erstens sind alle Knechtschen Werke tadellos geschrieben und ein rechtes Vergnügen zu lesen - mit allem, was da dazu gehört (laut lachen und Passagen anderen unentwegt vorlesen wollen und auch, ich gebe es ungern zu, ab und zu sehr, sehr gerührt sein).

Und natürlich ist Hurra ein eitles Buch, und eigentlich hat man sich vorgenommen, es gar nicht so super zu finden, aber die Kolumnen machen zweitens zwischen zwei Buchdeckel gepresst ehrlich einen Sinn, den man so, wenn man in den vergangenen Jahren hin und wieder einen Tagesanzeiger und die eine oder andere Kolumne erwischt hat, gar nicht gleich erkennen konnte. Es ging einem selbst vornehmlich immer ums Dechiffrieren sämtlicher Sedlaceks, Mizzis und Lottes, die es natürlich in echt gibt und die sich vornehmlich in der Wiener Journaille tummeln und die auch manchmal gar nicht "Hurra" geschrien haben, wenn sie sich in den Knechtschen Machwerken wiedergefunden haben (aber auch das handelt die Knecht immer wieder selbst und sehr vergnüglich in ihrem Buch ab).

Abseits davon geht es um eine Metamorphose: Die einer Frau quasi im "vorkindlichen" Stadium zur frühkindlichen Vollmutter, wieder zurück zur einigermaßen normalen weiblichen Existenz.

Und weil nun einmal Doris Knecht, soweit ich das beurteilen kann, ein Mensch ist, der alles ziemlich 180-prozentig macht (rumbrüllen, Gin trinken, Stilettos tragen, Journalistin sein und eben auch Kinder kriegen und Mutter sein), hat sie gleich Zwillinge (die Mimis!) bekommen und das alles mit Verve in ihren Kolumnen verwurschtet.

Von dieser wahnsinnigen Grätsche, die Frauen, wie die Knecht eine ist, ständig machen, handelt dieses Buch. Und natürlich ist alles immer ein bisschen glamouröser als im wirklichen Leben, aber da verhält es sich ganz wie es bei Sex and the City war: Es ist schön, im Club zu sein. Und um weiter in der Knechtschen Diktion zu bleiben: Hurra, dass ich mit dem Schreiben fertig bin (und das, obwohl meine Mimi die ganz Nacht durchgekotzt hat - Buchstabensuppe!) - und das alles noch VOR Weihnachten.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26.12.2004)

Von Mia Eidlhuber

Doris Knecht,
Hurra. Kolumnen zwischen Wien und Zürich.
€ 15,90/256 Seiten. Czernin, Wien 2004.

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