Oberösterreichisches Bestiarium

29. Dezember 2004, 22:16
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"Aloys Zötl oder die Animalisierung der Kunst"

Aloys Zötl (1803-1887), der einzige anerkannte Surrealist Österreichs, war zeitlebens unbekannt: ein Färbermeister aus Eferding, der sein Fernweh mit Hilfe der Tierbücher stillte. Seine bislang bruchstückhaft bekannte Biografie wird vom Historiker Franz Reitinger erhellt, der das Leben dieses außergewöhnlichen Laienkünstlers nachzeichnet. Erst 70 Jahre nach Zötls Tod tauchten auf einer Pariser Auktion seine Aquarelle auf. André Breton zeigte sich begeistert, und in der Tat sind diese wunderbaren, farbigen Abbilder keine bloßen Illustrationen, sondern eine animistische Verlebendigung des Bildgegenstandes und seiner umgebenden Natur. Es ist das Zeitalter der Aufklärung, aus dem die naturhistorische Illustration stammt, bei Zötl erfährt sie eine Transformation; seine Bilder sind keine Kopien der Vorlagen, denn er kompilierte verschiedenste Quellen. Die Naturgeschichte hatte sich aus den Kunst- und Wunderkammern der Fürsten befreit und war mit unzähligen Drucken und Büchern beim Volk angekommen. Aloys Zötl hat diese Tradition für sich und zum Entzücken einer sehr viel späteren Nachwelt weiterentwickelt (i.s. / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26.12.2004)

Aloys Zötl oder die Animalisierung der Kunst
€ 49,90/160 Seiten, Christian Brandstätter
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