Neue Steuer auf Ertrag aus Wandelanleihen

29. Dezember 2004, 09:48
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Generelle Kapitalertragssteuer bei Umtausch in Aktien - Anlassfall OMV-Anleihe

Wien - Eine Art neue Spekulationssteuer erhitzt die Gemüter in der Finanzbranche. Aus dem neuen "Wartungserlass" des Finanzministeriums zu den Einkommensteuerrichtlinien geht hervor, dass in Zukunft Wandel- und Umtauschanleihen kapitalertragssteuerpflichtig und damit deutlich unattraktiver werden, als dies derzeit der Fall ist.

Wandelschuldverschreibungen sind Wertpapiere, bei denen ein Unternehmen dem Anleger ein späteres Umtausch- oder Bezugsrecht auf Aktien des Unternehmens einräumt. Bisher war die Wandlung in Aktien nur im ersten Jahr ("Spekulationsfrist") voll steuerpflichtig, und zwar einkommenssteuerpflichtig. Nach der Jahresfrist fiel wie bei einer Option keinerlei Steuer mehr an.

Nach der neuen Regelung soll 25 Prozent Kapitalertragssteuer (KeSt) anfallen, völlig egal, wann in Aktien gewandelt wird. Basis für die Steuer ist die jeweilige Differenz zwischen dem Ausgabewert der Anleihe und dem Wert der Aktie zum Umtauschzeitpunkt.

"Völlig missglückter Schnellschuss"

Aus dem Finanzministerium war keine Stellungnahme zu erhalten. Friedrich Rödler, Steuerexperte und Senior Partner von PricewaterhouseCoopers, sagte: "Da wird versucht, die Kurssteigerung der Aktie gleich zu behandeln wie die Verzinsung der Anleihe. Das ist ein völlig missglückter Schnellschuss." Insbesondere wenn jemand die Anleihe während der Laufzeit kaufe, zahle er die bereits enthaltene Kurssteigerung der später zustehenden Aktien mit und müsse bei der tatsächlichen Wandlung in Aktien nochmals die volle KeSt berappen. Rödler: "Ich halte das für völlig unsachlich und eine nicht praktikable Lösung."

Alle Wandelanleihenzeichner betroffen

Betroffen sind von der Maßnahme alle Wandelanleihenzeichner. Aufgelegt haben solche jüngst OMV, Telekom Austria, ÖIAG (auf Aktien der Voestalpine und der Telekom Austria, Anm.) und RHI.

Als Auslöser für den Vorstoß des Finanzministeriums, der vorerst nur für Wandelschuldverschreibungen gilt, pikanterweise aber nicht für Aktien, Optionen oder Derivate, wird die kürzlich begebene OMV-Anleihe genannt. Weil dies eine Null-Kupon-Anleihe war, also nicht marktüblich verzinst wird, geht der Fiskus dabei leer aus.

Nervosität herrscht in Finanzkreisen auch deshalb, weil einen Vertrauensbruch auf dem Kapitalmarkt befürchtet wird. Schließlich gilt laut Abgabenordnung das so genannte Verböserungsverbot, der Steuerpflichtige muss sich auf frühere Steuerrichtlinien verlassen dürfen. Genau das sei nun in Gefahr.

Besonders pikant: Betroffen sind zunächst nur Privatanleger in Österreich. Ausländische Zeichner einer Wandelanleihe hingegen sind ausgenommen. Wer seine Wandelanleihe übrigens ins Ausland, insbesondere in die USA, verkauft, ist den derzeitigen Plänen zufolge steuerfrei. (Luise Ungerboeck, Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 24.12.2004)

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