Jingle Bells: Clubbing-Tipps für die Weihnachtsnacht

25. Dezember 2004, 08:34
posten

Club Gourmet Gold im Flex, Wolfe & Herb im Rhiz

Weil unterm Weihnachtsbaum neben all dem Urnützlichen und gut gemeinten, auch der gesamte Konfliktstoff des vergangenen Jahres liegt, tut man gut daran, sich für den Rest des Abends eine Option der gesellschaftlichen Neutralität offen zu halten. Die zwischenmenschlich wohl reibungsfreieste Club-Variante für den heiligen Abend hört heuer auf den Namen Club Gourmet Gold (24.12. 23.00: Flex, 1., Donaukanal/ Augartenbrücke. )

Das liegt weniger an der nahe liegenden Assoziation zu Katzenfutter als vielmehr an der Tatsache, dass diese unlängst vom Wochen- zum Monatsclub degradierte Flex-Veranstaltung absolut wert-, ideologie-, und sinnfrei agiert. Das klingt jetzt schwer nach Technosause, aber: Club-Host und selbst ernannter Oberdandy Sebastian Brauneis kämpft sich mit seinen DJ Gehilfen von Tournee Idyl im Lauf eines Abends durch die Populärkultur der letzten dreißig Jahre und lässt den gemeinen Besucher schnell erkennen, dass kein Konzept auch ein Konzept ist.

Das spiegelt sich auch in der Auswahl der Gast DJs oder Live-Kapellen - am 24. das Synthie-Pop-Trio Audio Underwear - wider. Dafür und deshalb kommt manchmal das Gefühl auf, dass diese Beliebigkeit eine Geste der Versöhnung mit dem Publikum sein könnte. Schließlich wollen sie ja nur eine Party feiern. (lux)

Wolfe & Herb im Rhiz

Schon der Umstand, dass unterm Weihnachtsbaum jeder Duschkabinentenor und jede Blockflötistin des Musikschulelends mit seiner/ihrer Kunst antreten darf verdeutlicht, dass zu Weihnachten jedes Musizieren straffrei durchgeht.

Das Wiener Musiklokal Rhiz, das einst als strenges Kloster im Zeichen elektronischer Selbstgeißelung gegründet wurde, hat aus diesem Umstand längst eine eigene Tradition gemacht und in den letzten Jahren meist den Musikkreis MS 20 der Erfindung des Korg-Synthesizers huldigen lassen, die dabei vor keiner noch so schröcklichen "Neudeutung" Halt gemacht haben. Aber auch die schönsten Traditionen unterliegen der Erosion der Zeit. Deshalb tritt heuer nur noch ein Restmitlied des rötlich gefärbten Musikreises auf - Wolfe Kopper - tut dies dafür im Verein mit Herb Weixelbaum (24. 12., 21.00: Rhiz, 8., Lerchenfelder Gürtel 37/38). Dieser hat heuer mit B. Fleischmann als Duo 505 ein kleines elektro-melancholisches Meisterwerk veröffentlicht, ist also für Gefühle ausgelöst vom Fest der Freude nahezu prädestiniert.

Neben einer Livedarbietung werden die beiden Musikanten auch auf den Plattenteller Delikatessen kredenzen und so der sentimentalen Allmacht wahlweise zu- oder entgegenarbeiten. Erfahrungsgemäß ist es ab Mitternacht am schönsten. (flu)
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25./26.12.2004)

Share if you care.