Der kleine Weihnachtsstern des Optikers

29. Dezember 2004, 12:30
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Kopf des Tages: Der Komet C/ 2004 Q2

Geht es nach Johann Nestroy, müssten im Innenministerium eigentlich die Alarmglocken schrillen: "Ein Komet reist ohne Unterlass um am Firmament und hat kein' Pass", warnt er in "Lumpazivagabundus" vor der verwaltungstechnisch nicht korrekten Reisetätigkeit der Schweifsterne. Der derzeit am Himmel zu beobachtende Komet C/ 2004 Q2 (auch: Machholz) sorgt allerdings nicht für Weltuntergangs-, sondern für Weihnachtsstimmung.

Der Himmelskörper kreuzt momentan in der Nähe des Orions (Richtung Ostsüdost über dem Horizont) und ist bei guten Bedingungen nächtens mit freiem Auge erkennbar. Auf Crashkurs mit der Erde befindet er sich nicht: Wenn er um den 5. und 6. Jänner unserem Planeten am nächsten kommt, ist er immer noch rund 52 Millionen Kilometer weit weg - das ist ein Drittel der Entfernung Erde-Sonne.

Entdeckt wurde der kleine Weihnachtsstern am 27. August von Donald Machholz. Der Optiker und Amateurastronom aus Colfax im US-Bundesstaat Kalifornien feierte mit dem Fund auch ein Jubiläum. Der nach ihm benannte Komet ist der zehnte, den er seit 1978 aufgespürt hat. Damit ist Machholz der zweiterfolgreichste private Kometensucher der Welt.

Als Wegweiser für Magier taugt C/2004 Q2 (Machholz) allerdings sicher nicht, dazu leuchtet er nicht stark genug. Was der im Matthäus-Evangelium beschriebene Stern wirklich war, ist bis heute umstritten.

Drei große Theorien gibt es dazu, durchsetzen konnte sich keine. Die nächstliegende Erklärung wäre tatsächlich ein hell leuchtender Komet. Zur Zeit der Geburt von Jesus (zwischen 7 und 4 vor Christus) wird in einer chinesischen Chronik eine derartige Himmelserscheinung erwähnt. Allerdings: Kometen galten im Altertum als schlechtes Omen, sie mit dem Messias in Verbindung zu bringen wäre eher unpassend.

Das plötzliche Aufleuchten einer Supernova wurde ebenso ins Spiel gebracht. Doch für eine derartige Explosion eines sterbenden Sterns finden sich keine anderen Aufzeichnungen, heutige Astronomen haben am Himmel auch keine Überreste für ein derartiges Phänomen entdeckt.

Schon Johannes Kepler mutmaßte, dass der Weihnachtsstern in Wahrheit ein scheinbares Zusammentreffen der beiden großen Planeten Jupiter und Saturn war. Im Jahr 7 vor Christus gab es tatsächlich eine derartige, sehr seltene Konjunktion. Kritiker dieser Theorie verweisen jedoch darauf, dass in der Bibel ganz klar von "dem" Stern die Rede ist - die beiden Planeten aber auch bei ihrem scheinbar engsten Kontakt immer als zwei Objekte erkennbar sind.

Ob Stern, Planet oder Komet: Was damals leuchtete ist unklar, der gegenwärtige Weihnachtsstern bleibt dagegen bis März sichtbar. (DER STANDARD, Print, 24./25./26.12.2004)

Michael Möseneder
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