Präsident Karzai stellt neues Kabinett vor

25. Dezember 2004, 14:02
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Weniger Kriegsherren in der Regierung - Neues Ministerium zum Kampf gegen Opiumanbau

Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat am Donnerstag, zweieinhalb Wochen nach der Vereidigung, die Zusammensetzung seiner neuen Regierung bekannt gegeben. In dem neuen Kabinett sind Kriegsherren, die große Teile des Landes kontrollieren, nicht mehr so prominent vertreten wie in der ebenfalls von Karzai geleiteten bisherigen Übergansregierung.

Mit der Entlassung zweier Milizführer beherzigte Karsai am Donnerstag teilweise Forderungen nach einer Entmachtung der Warlords. So wurde laut staatlichem Fernsehens der bisherige Verteidigungsminister Mohammed Kasim Fahim, einer der tadschikischen Führer der Nord-Allianz, durch seinen bisherigen Stellvertreter Abdel Rahim Wardak ersetzt. Wardak gehört wie Karzai der Bevölkerungsmehrheit der Paschtunen an, er machte sich in den 80er Jahren im Kampf gegen die sowjetische Besatzungsmacht einen Namen. Auch Gul Agha Schersai, ein Kriegsherr aus dem Süden des Landes, muss das Kabinett verlassen. Er war Minister für öffentliche Angelegenheiten.

Dagegen bleiben die beiden anderen Schlüsselpositionen - das Außen- und das Innenministerium - mit den bisherigen Amtsinhabern, Abdullah Abdullah und Ali Ahmed Jalali, besetzt. Zwei Kabinettsposten wurden mit Frauen besetzt. Masuda Jalal, die bei der Präsidentenwahl als einzige Frau gegen Karzai angetreten war, leitet das Frauenministerium. Ministerin für Kriegsversehrte und Behinderte wurde Sidika Balchi.

Ismail Khan wird Minister für Wasser und Energie

Allerdings nahm Karzai einen mächtigen regionalen Stammesfürsten in seine Regierung auf: Ismail Khan, einst Gouverneur von Herat, erhielt den Posten als Minister für Wasser und Energie. Finanzminister Ashraf Ghani, werde von Zentralbankgouverneur Anwar ul Hak Ahadi abgelöst, hieß es weiter. Dieser gilt als langjähriger Vertrauter des Präsidenten. Ghani wurde von der Regierung mit der Leitung der Universität von Kabul betraut.

Der bisher weitgehend unbekannte Habibullah Kadari soll das neu geschaffene Ministerium gegen den Opiumanbau leiten. In Afghanistan werden schätzungsweise drei Viertel des weltweit produzierten Opiums hergestellt. Das Wirtschaftsministerium wird mit dem bisherigen Leiter für den Wiederaufbau, Amin Farhang, besetzt.

Von der Zusammensetzung des Kabinetts hängt nach Einschätzung von Beobachtern stark ab, inwieweit sich Karzai mit seinem Reformprogramm durchsetzen kann. Sein Schwerpunkt ist neben dem Wiederaufbau auch der Kampf gegen den Mohnanbau. Bei der ersten Präsidentenwahl nach Sturz des Taliban-Regimes (Ende 2001) hatte Karzai am 9. Oktober 55,4 Prozent der Stimmen erhalten. (APA/dpa/AP)

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    Präsident Karsai reduzierte die Anzahl der so genannten Kriegsherren in seiner Regierung.

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