Behaftetes Unternehmensleitbild

24. September 2007, 15:09
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Gerade unter KMU hat das Leitbild wenige Freunde - zu Unrecht

Im Vorfeld der Strategieentwicklung steht das Leitbild. Dieses sollte kurz und knapp formulieren, welche Ziele sich das Unternehmen für die längere Frist steckt, welche Werte das Unternehmen vertritt, und wo seine Stärken liegen. Das Erstellen eines Leitbildes lohnt sich gerade für Klein- und Mittelunternehmen - doch die Vorbehalte diesem doch eher abstrakt formulierten Dokument gegenüber sind vielgestaltig.

Vorurteil Nummer eins: "Unrealistisch"

"Im Leitbild kann man lesen, was die Organisation nicht ist", hört man manchmal. Das ist übertrieben, aber auch nicht ganz falsch. Denn ein Leitbild, das nur Tatsachen beschreibt, verfehlt seinen Zweck. Ein Leitbild soll zeigen, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln will. Es geht um Visionen, die vielleicht gegenwärtig noch utopisch erscheinen, aber längerfristig gesehen realistisch sind.

"Papierkram"

"Leitbilder verschlingen zuerst viel Papier und Zeit, um danach in Scheibtischladen zu landen", heißt es weiter. Es stimmt, dass die Entwicklung eines Leitbildes, wenn man es ernst meint, viel Zeit erfordert und viele Ressourcen bindet. Schließlich geht es dabei um niedergeschriebene Visionen und Wertvorstellungen. Diese sollten nicht nach kurzer Zeit wieder überholt sein, sondern für längere Zeit gelten.

"Marketing-Gag"

"Leitbilder wahren den Schein nach außen. Für die Abläufe im Betrieb sind sie bedeutungslos." Diese Ansicht ist auch unter Führungskräften sehr verbreitet. Dahinter steckt der Gedanke, die Konsumenten seien durch Werbung ohnehin so beeinflussbar, dass die tatsächliche Leistung gar nicht mehr so kritisch bewertet wird. Vor allem bei Kleinbetrieben ist ein solches Vorgehen zum Scheitern verurteilt. Was zählt, sind Preis und Leistung - und wenn dann noch vor dem Kauf versprochenes danach nicht gehlalten wird, ist das so wirksam wie Negativwerbung.

"Chefsache"

"Das Leitbild kennt nur der Chef, alle anderen interessieren sich ohnehin nicht dafür." Dem ist leider oft so, allein, Sinn macht es nicht. Wenn schon nicht, wie erwünscht, die Mitarbeiter bei der Erstellung des Leitbilds eingebunden sind, sollten sie wenigstens wissen, was seine Kernaussagen sind und wie sie selbst zu der Erarbeitung dieser Ziele beitragen können. Andernfalls ist das Leitbild tatsächlich nicht mehr als ein Stück Papier, für das unnötig Ressourcen verschwendet wurden. (mas)

  • Hier ist es, das Leitbild: Nicht selten ist seine Präsentation gleichzeitig das Ende seiner Karriere
    foto: heinz-peter bader

    Hier ist es, das Leitbild: Nicht selten ist seine Präsentation gleichzeitig das Ende seiner Karriere

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