Erstes Geständnis in Potsdamer Neonazi-Prozess

24. Dezember 2004, 18:57
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Brandanschläge auf Imbisse und Geschäfte von Ausländern

Potsdam - Im Prozess gegen brandenburgische Neonazis wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung hat der erste Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Er habe an Brandanschlägen auf Imbisse und Geschäfte von Ausländern im Havelland teilgenommen, sagte er nach Angaben einer Gerichtssprecherin am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht in Potsdam. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft den zwölf jungen Angeklagten vor, zehn Anschläge verübt zu haben.

Die Öffentlichkeit wurde von der Beweisaufnahme ausgeschlossen. Der Prozess wird am 6. Januar 2005 fortgesetzt. Erstmals klagt die brandenburgische Generalstaatsanwaltschaft eine Gruppe Neonazis als terroristische Vereinigung an.

600.000 Euro Schaden

Der Jüngste der Angeklagten war 14, der älteste 18 Jahre alt, als zwischen August 2003 und Mai 2004 zehn Anschläge auf Imbisse von Ausländern im Havelland verübt wurden. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden betrug mehr als 600.000 Euro. Ziel sei es gewesen, die Ausländer aus dem Havelland zu vertreiben.

Der Angeklagte habe ausgesagt, dass sich die Jugendlichen des öfteren nach der Schule in einer Scheune getroffen hätten, sagte die Gerichtssprecherin. Die Schüler hätten sich von Kindesbeinen an gekannt. Die Scheune steht auf einem weitläufigen Grundstück, das der Familie des 20 Jahre alten Hauptangeklagten gehört.

Von dem mutmaßlichen Rädelsführer sei auch die Initiative ausgegangen, die ausländerfeindliche Kameradschaft "Freikorps" zu gründen. Ausgesprochen politische Debatten gab es nach Aussage des Angeklagten nicht. Einziges Thema sei gewesen, Ausländer aus dem Havelland zu vertreiben.(APA/dpa)

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