Putin wirft dem Westen Isolierung Russlands vor

24. Dezember 2004, 16:19
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Russischer Präsident: Kampf gegen Terror ist eine Priorität für das kommende Jahr

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem Westen vorgeworfen, sein Land isolieren zu wollen. Im Hinblick auf den Streit über den Ausgang der Präsidentenwahl in der Ukraine sagte Putin am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, Russland habe nicht die Absicht, irgendeinen Staat zu annektieren, und hindere die ehemaligen Sowjetrepubliken auch nicht daran, unabhängige Staaten zu werden.

Angesprochen auf eine Äußerung des polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski, der gesagt haben soll, Russland ohne die Ukraine sei besser als Russland mit der Ukraine, antwortete Putin verärgert, Kwasniewski höre sich an wie einer, der "einen neuen Job" suche. Putin schien sich damit hinter die Einschätzung kremlnaher Beobachter zu stellen, wonach Polen, das als Vermittler in der Ukraine auftrat, in Wirklichkeit als Sprachrohr der USA fungierte.

"Wenn wir das als Bestreben interpretieren, Russlands Möglichkeiten zur Entwicklung gut nachbarschaftlicher Beziehungen einzuschränken, dann ist es gleichzusetzen mit dem Wunsch, die Russische Föderation zu isolieren", sagte Putin, fügte aber hinzu: "Ich glaube nicht, dass dies das Ziel der US-Politik ist." Er werde das Thema auf einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush im Februar in der Slowakei zur Sprache bringen.

Putin hatte sich nach der mittlerweile annullierten Präsidentenstichwahl in der Ukraine im November hinter den Regierungskandidaten Viktor Janukowitsch gestellt und diesem zum Wahlsieg gratuliert. Dagegen sprachen USA und EU von massivem Wahlbetrug. Janukowitsch gilt als Freund Moskaus, während sich Oppositionsführer Viktor Juschtschenko am Westen orientiert. Die Stichwahl wird auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs am Sonntag wiederholt.

Putin sprach auch über den Kampf gegen den Terror, den er zu den Prioritäten für das kommende Jahr zählte. 2004 werde vor allem wegen des Geiseldramas von Beslan in Erinnerung bleiben, das 365 Menschen das Leben kostete. Anfang September hatten tschetschenische Extremisten in einer Schule in Nordossetien mehr als 1.000 Kinder, Eltern und Lehrer in ihre Gewalt gebracht. Putin sagte, das Geiseldrama sei eine mahnende Erinnerung daran, dass Russland und die Welt ihren Kampf gegen den Terrorismus fortsetzen müssten. Darauf werde er "all unsere grundlegenden Ressourcen" konzentrieren. (APA/AP)

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