Fischfang-Nationen verhindern wirksameren Schutz des Kabeljaus

29. Dezember 2004, 12:38
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Weiterhin keine Fang-Sperrzonen in der Nordsee - Umweltorganisationen kritisieren minimale Schutzbestimmungen

Brüssel - In der Nordsee wird es auch künftig keine Sperrzonen für den Kabeljau-Fang geben. Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon rangen sich die Fischereiminister der EU nur zu weiteren Einschränkungen des Kabeljau-Fangs in der Ostsee und im Keltischen Meer durch, wie die niederländische Ratspräsidentschaft am Mittwoch in Brüssel erklärte. Hier wie bei den Fangquoten für andere Fischarten blieben die Beschlüsse des Ministerrats aber weit hinter den ursprünglichen Plänen der EU-Kommission zurück. Umweltorganisationen wie Greenpeace und der WWF kritisierten den Kompromiss als völlig unzureichend für den Schutz der bedrohten Bestände.

Der von der Ratspräsidentschaft vorgelegte Kompromissvorschlag zu den Fangquoten für 2005 wurde am frühen Mittwochmorgen nahezu einstimmig verabschiedet. Griechenland enthielt sich der Stimme, gegen die Beschlüsse stimmte nur Litauen, das die Ausdehnung des Kabeljau-Fangverbots in der östlichen Ostsee nicht akzeptieren wollte. Auch im keltischen Meer südöstlich von Irland wurde eine neue Sperrzone eingerichtet; ansonsten bleiben nur die seit 2003 bestehenden Kabeljau-Fangverbote westlich von Schottland und in der Irischen See erhalten. Gegen das Vorhaben der Brüsseler Kommission, auch in weiten Teilen der Nordsee Sperrzonen einzurichten, hatte sich insbesondere Großbritannien zur Wehr gesetzt.

Ein bisschen weniger Fangzeit

Die EU setzt nun weniger auf strikte Fangverbote als vielmehr auf weitere Einschränkungen bei den Fangzeiten: So wird in der Nordsee die Anzahl der Tage, an denen Kabeljau gefischt werden darf, von durchschnittlich zehn auf neun Tage im Monat reduziert. Brüssel plant überdies in den europäischen Gewässern schärfere Kontrollen der Fangflotten und eine intensivere Beobachtung der Fischbestände.

Kritik der Umweltorganisationen

Die Umweltorganisation Greenpeace nannte die Beschlüsse der EU-Minister "reine Augenwischerei". Sie würden "nichts zum dringend notwendigen Schutz von Kabeljau, Scholle und Seezunge beitragen", erklärte Greenpeace-Fischereiexperte Thilo Maack in Hamburg. Statt der von Wissenschaftlern geforderten Schonfrist für den Kabeljau in der Nordsee sei dort nun eine Fangquote von 27.300 Tonnen beschlossen worden. 40 Prozent von Nord- und Ostsee müssten unter strikten Schutz gestellt werden, forderte Greenpeace.

Die Beschlüsse zur Nord- und Ostsee reflektierten den mangelnden politischen Willen der EU-Minister, bedrohte Fischarten effektiv zu schützen, erklärte auch der World Wildlife Fund (WWF). Die Organisation hatte im Mai eine Studie veröffentlicht, wonach der Kabeljau wegen der anhaltenden Überfischung binnen 15 Jahren auszusterben droht.

Weitere Abstrichevom Schutzprogramm

Auch in anderen Bereichen setzten große Fischereinationen wie Frankreich und Spanien ihre Interessen weitgehend durch: Von dem ehrgeizigen Programm zum Schutz überfischter Bestände, das die Kommission Anfang Dezember vorgelegt hatte, blieb nur wenig übrig. So wollte Brüssel unter anderem die Fangquoten für Tiefseefische um 30 bis 50 Prozent kürzen. Hier setzte Frankreich durch, dass die Quoten nur um 15 Prozent reduziert werden.

Spanien, das mit das mit 11.000 Fangschiffen die EU-weit größte Fischereiflotte unterhält, konnte den von der Kommission verlangten Stopp des Langustenfangs in fünf Meereszonen verhindern. Bereits bei den Verhandlungen am Vortag hatten Frankreich und Spanien gemeinsam erreicht, dass die geplante Reduzierung der Fangquoten für Sardellen von 85 Prozent auf zehn Prozent heruntergesetzt wurde. (APA)

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