Böse Witze werden nicht reichen

7. Februar 2005, 18:57
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Harald Schmidts Erfolg ist noch nicht gewiss

Selten wurde eine TV-Show mit so viel Spannung erwartet, und nie zuvor wurde eine "Ankunft" perfekter inszeniert: Pressesprecher schmettern Interviewanfragen ab. Sie sagen, Schmidt sei unerreichbar, er weile "in der Südsee", komme erst kurz vor der Sendung zurück. Beisitzer Manuel Andrack gibt pampige Interviews, in denen er auf "die Kernkompetenz von Herrn Schmidt" hinweist.

Niemand in dieser grundsätzlich so auskunftsfreudigen Branche, wirklich niemand will sich äußern, Prognosen abgeben. Roger Willemsen ist bis 23. Dezember verplant (am Ende gar mit Schmidt in der Südsee?), Herbert Feuerstein lehnt es ebenfalls ab, über seinen einstigen Kompagnon zu sprechen. Franz Schuh, Österreichs bester Harald-Schmidt-Kenner ist unauffindbar. Von Rudi Carrell hat man anders als zum Start von Anke Engelkes Late Night nichts von einer abgeschlossenen Wette gehört.

Nicht mehr und nicht weniger

Hat "der Meister" sie zum Schweigen angewiesen? Halten jetzt alle die Luft an? Sind wir etwa schon mitten drin, in der großen "ARD-Show"? In einem genialen Theaterstück, inszeniert vom lieben Harald "Gott" Schmidt?

Sie können ausatmen, einiges deutet darauf hin, dass wir es hier eben mit einer perfekten Inszenierung zu tun haben. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Jahr Kreativpause haben nicht unbedingt ein Ideenfeuerwerk gebracht: Wieder mit Andrack, dafür ohne Musiker Zerlett, Gagschreiber und Gäste wurden (natürlich völlig zu Recht) gleich ganz eingespart. Noch einmal neu erfinden wird Schmidt das Fernsehen gewiss nicht.

Erfolgsdruck im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ungleich höher

Außerdem: Sind das wirklich Schmidts ideale Arbeitsbedingungen? Es werde keine dunklen Bildschirme geben, keine Sendungen auf Französisch, hieß es zuvor - Auflagen, die Schmidt bei Sat.1 nicht hatte. Wenigstens verfügt er über eine offizielle Erlaubnis, ARD-Direktoren als Deppen zu bezeichnen.

Ob er sich an diese Zugeständnisse halten wird oder nicht, ist einerlei: Paradoxerweise ist der Erfolgsdruck im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ungleich höher. 147.000 Euro soll er angeblich pro Sendung kassieren, um 40.000 mehr als bei Sat.1: Wenn es Bild gefällt, die Gebührenfrage noch heftiger zu diskutieren und dafür entgangene Fußballmatches noch mehr zu bedauern, ist man schnell beim "Brauchen wir Schmidt?" angelangt. Ob er dagegen allein mit bösen Witzen bestehen wird können, ist zu bezweifeln. Wünschen wir ihm viel Rückhalt von seinem Arbeitgeber. Er wird ihn brauchen. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 23.12.2004)

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