Gefangenschaft im Gebührendschungel

29. Dezember 2004, 09:50
6 Postings

Während immer mehr Airlines den Reisebüros die Provision abdrehen, holen sich diese das Geld durch Zuschläge vom Kunden zurück

Wien - Das Buchen von Flügen wird immer einfacher, der Durchblick bei den Tarifen hingegen schwerer und schwerer. Weil die Fluglinien bei den Provisionen für die Reisebüros sparen oder gar nichts mehr zahlen für das Ausstellen der Tickets, holen sich diese das Geld direkt vom Kunden. Die Gebührensätze sind extrem unterschiedlich, und total verschieden sind auch die Preise, die für ein und dasselbe Produkt verlangt werden.

40 Prozent Preisunterschied

Bei einem Preisvergleich von Flügen, die auf verschiedenen Websites von Airlines und Reisebüros buchbar sind, fand der STANDARD für idente Destinationen Preisunterschiede von mehr als 40 Prozent heraus. So kostet beispielsweise ein Ticket Wien-Hamburg-retour an einem bestimmten Tag im Jänner in der Economy-Klasse 182,90 Euro, wenn man den Flug online auf der Website der Austrian (AUA) bucht und sich mit einem etix (elektronisches Ticket) zufrieden gibt. Für den gleichen Flug (idente Flugnummer) sind 260 Euro zu zahlen, wenn man das Ticket online auf der Website eines Grazer Reisebüros ordert. Steuern, Abgaben und Gebühren sind in beiden Fällen berücksichtigt.

Auf der Lufthansa-Website kostet das AUA-Ticket 207,90 Euro, wobei der Flugpreis 110 Euro beträgt, Steuern und Gebühren 62,90 Euro ausmachen und die Ticket Service Charge 35 Euro kostet.

Lufthansa war in Europa der Vorflieger. Seit September dieses Jahres zahlt die Fluglinie den Reisebüros in Deutschland keine Provision mehr für das Ausstellen der Tickets, seit November gilt der Nullsatz auch in Österreich. Air France und KLM streichen die Reisebürovergütung mit 1. Februar nächsten Jahres, Alitalia und South African mit 1. Juni kommenden Jahres. "Die Kündigungsschreiben liegen bereits am Tisch", sagte der Chef von Carlson Wagonlit Travel (CWT), Hannes Schwarz zum STANDARD.

"Viele der Reisebüros sind sich noch nicht bewusst, was da auf sie zukommt", sagt der Österreich-Chef des Reisevertriebssystems Amadeus, Wilfried Kropp. "Die AUA zahlt noch, wird aber mit 1. Februar 2006 ebenfalls auf null gehen mit der Provision. Damit steigt der Druck." Durch maßgeschneiderte Software könne Amadeus den Reisebüros helfen, mehr Transparenz in den Tarifdschungel zu bringen, was sicher auch die Zufriedenheit der Kunden erhöhe.

Servicegebühren

Während sich die Reisebüros im Filialbetrieb großteils an die von der Lufthansa empfohlenen Servicegebühren von 35 Euro (Europa) bis 45 Euro (Interkontinental) halten, sind die Online-fees meist günstiger. "Wir wollen den Konsumenten auch belohnen, wenn er einen Teil der Arbeit selbst macht", sagt Verkehrsbüro-Vorstand Norbert Draskovits. "Wer online bucht, zahlt um die Hälfte weniger Service-fee als im stationären Bereich." Unternehmen biete man an, über ihre Internetbuchung nochmals drüberzugehen, um eventuell günstigere Möglichkeiten zu finden. Draskovits: "Das kostet aber einen extra Aufschlag." In ihrem eigenen Vertrieb über Callcenter oder Ticketschalter erhebt die Lufthansa übrigens die gleich hohe Servicegebühr ein. Bei einer Internetbuchung wird für den Kunden zwar ebenfalls die Servicegebühr fällig, er erhält aber einen Abschlag von zehn Euro auf den Ticketpreis.

Bei Carlson Wagonlit Travel (CWT) gibt es derzeit noch keine Unterscheidung bei den Servicegebühren zwischen Internet- und Reisebürobuchung. Beides kostet 35 Euro. Ab Mitte Jänner 2005 wird sich das ändern. Dann will man die Servicegebühr für maschinelle Buchungen auf der Website "um mindestens 50 Prozent" senken und nach Fluglinien staffeln: Null-Kommission für Tickets von Fluggesellschaften, die noch Kommission zahlen, und Aufschläge, wenn auch geringere als im Reisebüro, beim Rest der Airlines. CWT-Chef Schwarz rechnet jedenfalls mit einer starken Belebung des Onlinegeschäfts.

Wilfried Kropp von Amadeus assistiert: "In Deutschland ist der Onlineverkauf nach Einführung der Null-Provision um 400 Prozent in die Höhe geschnellt. In Österreich werden wir ein ähnliches Phänomen erleben." (DER STANDARD Printausgabe 23.12.2004, Günther Strobl)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fluglinien bezahlen keine Reisebüros keine Gebühren mehr.

Share if you care.