Gott kann gar nicht scheitern

7. Februar 2005, 18:57
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Kein Zweifel: Schmidts Rückkehr wird gut

Der Fernsehunterhaltungsmarkt, zu dessen vornehmsten Aufgaben seit jeher die Unterbietung der selbst gesetzten Standards gehört, hat ein ernüchterndes Jahr hinter sich. Die Humorproduktion wurde grenzwertig vernachlässigt, weil man wesentliche Kreativressourcen in die Frischfleischverpackung des Humankapitals steckte.

Den eingebildeten Verlierern des gesellschaftlich suggerierten Schönheitswettbewerbs wurden vor laufenden Kameras Silikonbeutel unter die Haut gestopft. Eine Kaste viertelprominenter "Comedians" gedachte in ranzigen Nostalgieshows spürbar ergriffen ihrer ersten Sangria-Vollräusche. Auf luftigen Almen kredenzten schlampig zusammengenähte Porno-Starlets frisch gemolkene Süßmilch, und Sonya Kraus (ProSieben), die Barbie für Niederlausitzer Junggesellenträume, wurde mit Hammer und Bohrer zwecks Umraumverwüstung auf baufällige Studentenwohnungen losgelassen. Nicht zu vergessen: Anke Engelke legte auf Sat 1 als spätabendliche Talk-Queen einen Bauchfleck der Sonderklasse hin. Bedarf es noch anderer Zeugnisse, um die dringende Notwendigkeit eines Schmidt-Comebacks drastisch zu verdeutlichen?

Haben wir Schmidt nicht alle überschätzt?

Kaum ist der erste Scheinwerfer angezündet, erhebt sich bereits ein nörgeliger Ton: Er, Schmidt, sei die unanständig hohe Gage, die ihm die ARD ab heute, 23 Uhr, für zwei schlanke Halbstünder pro Sendewoche in den Rachen wirft, nie und nimmer wert. Der pfiffige Schwabe sei, kaum wagt man es zu sagen, erst diese Woche aus Übersee heimgekehrt: was für ein Fanal der Pflichtvergessenheit.

Die etwas behäbig gewordene ARD müsse sogar beim Sport sparen, um wegen Schmidt finanziell über die Runden zu kommen! Ein von Hartz IV gepeinigtes Land befindet sich in akuter Sorge: Haben wir Schmidt nicht alle überschätzt? Wird er uns gar zum Narren halten?

Und ich werde Quoten haben ...

Schmidt wird die bigotte Heuchelei der Bedenkenträger triumphal zu genießen verstehen: Wird im Verein mit seinem Famulus Manuel Andrack höhnisch das ergraute Haupt schütteln, mit der ARD-Band Bekanntschaft schließen ("Wie geht's?") und den Kritikern feixend zurufen: Ihr habt ja so recht! Und ich werde es euch beweisen, indem ich die 30 schmal bemessenen Minuten Sendezeit mit Läppischkeiten totschlage. Mit Mumpitz.

Ich, Harald Schmidt, werde Anekdoten aus meinem einjährigen Urlaub zum Besten geben. Und ich werde Quoten haben ... Kinder, wegen solcher Quoten hat man schon ganz andere in die Wüste geschickt: in die Stadtsäle von Suhl und Oer-Erkenschwick. Mich wird das nicht kratzen. Denn ich bin Harald Schmidt. Und es wird gut sein. (Ronald Pohl/DER STANDARD; Printausgabe, 23.12.2004)

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