Kritik an Bush: Fragen und keine Antwort

23. Dezember 2004, 19:26
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Nach seiner Bilanzpressekonferenz wurde der US-Präsident kritisiert, er sei Reportern die Antworten auf nahezu alle Fragen schuldig geblieben

New York - Nach dem verheerenden Anschlag auf einen US-Militärstützpunkt nahe der irakischen Stadt Mossul hat US-Präsident George W. Bush den Familien der Opfer sein "tief empfundenes Mitgefühl" ausgedrückt, gleichzeitig aber betont, die Truppen seien auf einer "sehr wichtigen und wesentlichen Mission", einen demokratischen Staat zu etablieren, "wo bisher ein Ort von Tyrannei und Hass und Vernichtung war". Scott McClellan, Pressesprecher des Weißen Hauses, versicherte, die "Feinde der Freiheit" würden besiegt werden.

Bush wurde nach seiner Bilanzpressekonferenz über das Jahr 2004, die am Montag, noch vor dem Anschlag in Mossul, stattgefunden hatte, stark kritisiert, er sei Reportern die Antworten auf nahezu alle Fragen schuldig geblieben. Immer wieder belehrte er die Journalisten, sie wären besser dran, ihre Fragen anderen Personen zu stellen: Die Frage, wie lange US-Soldaten noch im Irak verbleiben würden, könne am besten von den Generälen beantwortet werden. Die Frage, ob der Irakkrieg die Aussichten auf Frieden im Nahen Osten beeinträchtige, könne nur von den Palästinensern beantwortet werden. Was die Reform der Sozialversicherung betreffe, solle man doch gleich den US-Kongress befragen. Christ Suellentrop schreibt in Slate Magazine, Bush habe bei der Pressekonferenz ("Fragen-und-keine-Antworten-Spiel") nur eine einzige klare Äußerung gemacht und das auf eine Frage, die ihm niemand stellte: Der Irak würde binnen eines Jahres eine "voll demokratische konstitutionelle Regierung" haben. (sdr/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2004)

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