Geförderte Preiserhöhung

27. Dezember 2004, 11:41
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Die Volksgaragen waren immer als besonders preisgünstig gepriesen worden: Platzmieten unter 1000 Schilling wurden für zehn Jahre garantiert. Jetzt wird aber auf einmal erhöht. Wegen der "explodierten" Energiepreise.

Wien - Dass hin und wieder etwas teurer wird, ist man ja gewöhnt. Und wenn es nur um ein, zwei Euro geht, fällt das etwa bei einer Garagenmiete kaum auf. Und so bekamen kürzlich auch die Mieter einer Garage in Meidling einen Brief von der Betreibergesellschaft: "Wie Sie sicherlich den Medien entnehmen konnten, sind die Preise für Energie im abgelaufenen Jahr regelrecht ,explodiert'. Deshalb waren wir gezwungen, in unserer Preisgestaltung für Dauer- und Nachtparktarife Rechnung zu tragen." Die Preiserhöhung: Von 72,50 auf 74,20 Euro für den Stellplatz.

"Vorwände"

Nur: Bei dieser Garage handelt es sich um eine so genannte Volksgarage. "Und da ist den Bürgern immer garantiert worden, dass der Stellplatz zehn Jahre lang nicht mehr als 1000 Schilling pro Monat kosten wird", erinnert FPÖ-Gemeinderat Herbert Madejski. Und 74,20 Euro wären bereits 1021 Schilling.

Was bei einem einzelnen Mieter nach einer Kleinigkeit aussehe, summiere sich aber: "Wenn die geplanten zusätzlichen 2500 Volksgaragen-Stellplätze realisiert sind und weitere Preiserhöhungen unter fadenscheinigen Vorwänden durchgeführt werden, könnten den Garagenmietern in den nächsten zehn Jahren rund zehn Millionen Euro mehr als versprochen abgeknöpft werden", rechnet Madejski zusammen.

Und: Volksgaragen würden über zinsenlose Darlehen der Stadt Wien finanziert. Daher müsse die Stadt einschreiten.

Verbraucherpreisindex

Im Büro des zuständigen Stadtrates Sepp Rieder (SP) wird dazu erklärt, dass es "eine Anpassung an den Verbraucherpreisindex sei, die in den Verträgen zwischen Stadt und Betreibern auch festgelegt ist". Und da hätte die Erhöhung sogar noch höher ausfallen können.

Madejski wiederum suchte vergeblich einen derartigen Hinweis auf Indexierung in einem Vertrag mit einem Volksgaragenmieter. Und er hat auch noch einen Flugzettel von seinerzeit, in dem monatliche Kosten unter ATS 1000.- (Euro 73,15) auf zehn Jahre "garantiert" wurden. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2004)

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