Österreich: Warnzentralen rund um die Uhr besetzt

24. Dezember 2004, 18:53
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Laut Staatsschützern viele Hinweise auf Nuklearschmuggel, aber bisher kein konkreter Fall

Die Sirene heult eine Minute lang, immer wieder schwellt der durchdringende Ton an und ab - jedes Jahr, immer am ersten Samstag im Oktober, ist dieses Warnsignal im Rahmen des Zivilschutzprobealarms in ganz Österreich zu hören. Im Ernstfall heißt das: Gefahr! Verlassen Sie sofort die Straße, suchen Sie schützende Räumlichkeiten auf. Informieren Sie sich via TV und Radio über Verhaltensregeln.

Auch im Bedrohungsszenario durch eine "schmutzige Bombe" sind dies die ersten Maßnahmen. Laut Gesetz sind alle "periodisch erscheinende Medienwerke, die Anzeigen veröffentlichen", verpflichtet, in Krisenfällen behördliche Anordnungen umgehend zu veröffentlichen. Die heimische Bundeswarnzentrale ist im Innenministerium angesiedelt und, wie die nachgestellten Landeswarnzentralen, rund um die Uhr besetzt.

Schon der konkrete Verdacht auf die Gefährdung durch eine "schmutzige Bombe" reicht aus, um folgende Stellen in Alarmbereitschaft zu versetzen: Rettung und Krankenhäuser im Zielgebiet, Staatsschutz, Bundesheer sowie das Austrian Research Center Seibersdorf.

Laut Staatsschutzbericht gab es in den vergangenen Jahren "viele Hinweise auf Schmuggelaktivitäten mit nuklearen Stoffen, ohne dass tatsächlich in Österreich waffentaugliches Material sichergestellt werden konnte". 2003 wurden drei Meldungen über radioaktive Quellen an die IAEO weitergeleitet. Es habe sich aber lediglich um "äußerst leicht strahlende Materialien" gehandelt, die illegal deponiert worden seien.

Sensible Messgeräte

Wie sensibel die Messgeräte sind, zeigt ein Fall vom vergangenen Juni: bei dem verstrahlten Material, das auf der Wiener Deponie Rautenweg entdeckt worden war, handelte es sich um einen abgeschnittene Strauch, auf den ein mit Jod 131 behandelter Patient uriniert hatte. Im Rahmen des Illicit Trafficking Radiation Assessment Program wurden 2003 in Kooperation mit dem Forschungszentrum Seibersdorf im Wiener Flughafen 1,5 Millionen Passagiere kontrolliert. Die Detektoren zur Aufspürung von Nuklearmaterial schlugen 252-mal an. Der Großteil war auf medizinische Behandlungen (meist strahlende Kontrastmittel) zurückzuführen, weitere Alarme wurden durch Mineralien und Uhren verursacht.

Sirenenentwarnung wird übrigens mit einem einminütigen, gleich bleibenden Dauerton gegeben. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2004)

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    In Österreich gibt es rund 7,000 Sirenen.

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