Saudiarabien zieht Botschafter aus Libyen ab

24. Dezember 2004, 14:49
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Als Reaktion auf Komplottbeteiligung - Sanktionen auch gegen saudiarabischen Dissidenten

Riad - Saudiarabien hat seinen Botschafter aus Libyen abberufen. Der Schritt sei eine Reaktion auf Berichte, dass Tripolis an einem Komplott zur Ermordung des saudiarabischen Kronprinzen Abdullah bin Abdelaziz beteiligt gewesen sei, sagte Außenminister Prinz Saud al Faisal am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Riad. Libyen werde aufgefordert, seinerseits den Botschafter aus Riad abzuziehen.

Aus US-Regierungskreisen war im Juni verlautet, ein in den USA inhaftierter moslemischer Geschäftsmann und ein in Saudiarabien inhaftierter libyscher Geheimdienstoffizier hätten unabhängig voneinander von dem Komplott berichtet. Mit der Ermordung des Kronprinzen sollte demnach die saudiarabische Regierung destabilisiert werden. Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi hatte diese Vorwürfe bestritten. Gaddafi und Saud hatten einander bei einem arabischen Gipfeltreffen im März 2003 vor laufenden Kameras wüst beschimpft.

Die Maßnahmen Riads stünden "im Zusammenhang mit der libyschen Verschwörung gegen das Königreich", formulierte es der saudiarabische Außenminister Saud vor der Presse. Von weiteren Sanktionen wolle das Königshaus jedoch mit Rücksicht auf das libysche Volk absehen, dem wegen des Konflikts nicht der Zugang zu den heiligen Stätten von Mekka und Medina verwehrt werden solle.

Mit Strafmaßnahmen wurde am Mittwoch auch ein prominenter saudiarabischer Dissident bedacht, der ebenfalls im Verdacht steht, an der Verschwörung gegen Prinz Abdullah beteiligt gewesen zu sein. Die USA und Großbritannien wollen nach Informationen des von Saudiarabien finanzierten Fernsehsenders Al-Arabiya das Vermögen des in London ansässigen Regimegegners einfrieren. Die USA hätten den Islamisten auf ihre Liste von mutmaßlichen Terroristen-Geldgebern gesetzt.

Al-Fikki ist für die Königsfamilie nach Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden Staatsfeind Nummer Zwei. Er leitet die Islamische Bewegung für Reform. Die Gruppe wirft den Herrschern Korruption und Abkehr von der reinen Lehre des Islams vor, will einen Regimewechsel jedoch angeblich mit friedlichen Mitteln herbeiführen. (APA/AP/dpa)

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