IHS-Chef: Dollar-Schwäche das Hauptrisiko

22. Dezember 2004, 17:41
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Bei Euro-Anstieg auf 1,40 wären Wachstumsimpulse für zwei Jahre aufgefressen - Echter Aufschwung noch nicht in Sicht

Wien - IHS-Leiter Bernhard Felderer sieht im Wechselkurs des Euro zum Dollar das "Hauptrisiko" bei der am Mittwoch von seinem Institut und dem Wifo vorgelegten neuen Konjunkturprognose, wonach sich das Wirtschaftswachstum 2005 und 2006 leicht beschleunigen soll.

Schwacher Dollar kostet Wachstum

Allein der Anstieg des Euro auf zuletzt 1,33 bis 1,34 Dollar gegenüber den ursprünglich für heuer erwarteten 1,22 Dollar koste 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum, sagte der Chef des Instituts für Höhere Studien: Würde der Euro - wegen der Dollar-Schwäche - weiter auf 1,40 Dollar klettern, brächte das nochmals 0,3 Prozent Wachstumseinbuße.

Bei einem solchen Szenario wären die zusätzlichen Wachstumsschübe durch die Steuerreform 2005 von 0,3 Prozentpunkten im nächsten und 0,2 Prozentpunkten im übernächsten Jahr praktisch wieder aufgefressen.

Allerdings erwarten die Experten beider Institute keinen weiteren Anstieg des Euro zum Dollar mehr. "Der Euro steigt nicht weiter", meinte Ewald Walterskirchen vom Wifo. Freilich habe es auch schon in früheren Jahren ein unerwartetes "Overshooting" von Währung gegeben, schränkte Felderer im gemeinsamen Pressegespräch mit dem Wifo ein: "Niemand weiß genau, ob der Dollar-Verfall abgeschlossen ist."

Exporte werden langsamer steigen

Im Währungsrisiko liege durchaus "eine Gefahr", sagte der IHS-Chef. Es würden zwar nur 15 Prozent der österreichischen Exporte in US-Dollar fakturiert, doch seien weitere rund 20 Prozent vom Dollar abhängig. Sein Institut geht für 2005 von einem Euro-Kurs von 1,31 Dollar aus, das Wifo von 1,34 Dollar. Hauptgrund für den schwachen Dollar sei das hohe Leistungsbilanzdefizit der Amerikaner. Mit der Verlangsamung des US-Wachstums sollten aber auch die Importe schwächer werden und sich das Leistungsbilanzdefizit verringern.

Nach real 10 Prozent Zuwachs bei den heimischen Warenausfuhren in diesem Jahr werden die Exporte 2005 und 2006 wegen der zu erwartenden Abschwächung der Weltkonjunktur nicht mehr so rasch steigen. Die 2003 und 2004 durch die Investitionszuwachsprämie stimulierte Investitionstätigkeit wird nachlassen, 2005 sieht sie das Wifo in der Gesamtwirtschaft nur um 1 1/2 Prozent wachsen. Die Leistungsbilanz sieht das Wifo weiterhin mit 2,4 bis 2,7 Mrd. Euro im Minus, das IHS erwartet 2005 eine Drehung auf ein leichtes Plus von 0,2 Mrd. Euro und dann 1,0 Mrd. Euro Überschuss 2006.

Von einem konjunkturellen Aufschwung wollen die Experten trotz der 2005 und 2006 erwarteten leichten Beschleunigung des BIP-Wachstums noch keineswegs sprechen. Dies wäre "erst bei einer Drei vor dem Komma" gerechtfertigt, meinte Walterskirchen. Sein Institut erwarten in den nächsten beiden Jahren ein Wachstum von 2,2 bzw. 2,3 Prozent, das IHS von 2,3 bzw. 2,4 Prozent, nach heuer 1,9 bis 2,0 Prozent.

Erstaunlich unterschiedlich fallen die Prognosen der Institute zu Deutschland aus. Während das Wifo dort heuer nur 1,4 Prozent Wachstum erwartet, ist das IHS nicht so pessimistisch und glaubt an 1,8 Prozent. Die Weltwirtschaft habe 2004 ein "starkes Jahr" hinter sich, das stärkste seit rund eineinhalb Jahrzehnten, sagte Kramer. Die Investitionstätigkeit in Westeuropa dürfte sich allmählich verbessern, auch weil viele Sektoren - selbst in Österreich - gut verdient hätten und über entsprechende Eigenmittel verfügten.

Insgesamt sollte die heimische Konjunktur 2005 besser abgesichert "auf drei bis vier Säulen stehen" und nicht allein auf der einen Säule Exporte, sagte Wifo-Chef Kramer. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) erklärte am Mittwoch, der Konjunkturmotor Exportwirtschaft laufe mit unverminderter Kraft weiter. Eine von seinem Haus beim IHS in Auftrag gegebene Außenhandelsprognose ergebe einen Anstieg der heimischen Warenexporte um 9,3 Prozent im heurigen Jahr und um 6,6 Prozent im kommenden Jahr 2005. 2003 hatte die Zunahme nur 1,5 Prozent ausgemacht. (APA)

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