Serien-Vergewaltigung in Wien: Alle sechs Familienmitglieder enthaftet

24. Dezember 2004, 21:15
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Staatsanwaltschaft zweifelt an Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers -Martyrium der Wienerin ist möglicherweise erfunden

Wien - Die Meldung, wonach eine 30-jährige Wienerin nach der Scheidung auf grausame Art serienweise von ihrem Ex-Mann und Mitgliedern seiner Familie vergewaltigt worden sein soll, schockierte am Dienstag, die Öffentlichkeit.

Keine 24 Stunden später gab es in dem Aufsehen erregenden Fall eine brisante Wende: Die Staatsanwaltschaft Wien zweifelt an der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers. Sämtliche sechs in U-Haft sitzende Verdächtige wurden von U-Richterin Silvia Liebetreu wieder auf freien Fuß gesetzt.

Anschuldigungen sind wie ein Kartenhaus zusammengebrochen

"Die Anschuldigungen sind wie ein Kartenhaus zusammengebrochen", kommentierte Friedrich Forsthuber, Sprecher des Wiener Landesgerichts, am Mittwochnachmittag die Wende im Fall um die angeblich von ihrem Ex-Mann und seinen Angehörigen vergewaltigte Frau. Die sechs Verdächtigen seien auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wien enthaftet worden. "Der dringende Tatverdacht war nach sehr umfangreichen kontradiktorischen Einvernahmen und weiteren Erhebungen nicht mehr aufrecht zu erhalten", sagte Forsthuber.

Scheidung und Vorwürfe

Die Mutter zweier kleiner Mädchen war im vergangenen Februar nach sechsjähriger Ehe von einem 30-jährigen Kosovo-Albaner geschieden worden. Am 6. Oktober wanderte der Mann in U-Haft: Die Frau beschuldigte ihn, er habe sie nach der Trennung mehrfach vergewaltigt. Das Martyrium der Frau habe dannach begonnen: Angehörige und Freunde des Kosovaren hätten sie verschleppt, mit einem Butterflymesser, einer Rohrzange oder einem Bolzenschneider missbraucht.

Massive Widersprüche

Der Gerichtssprecher verwies auf "massive Widersprüche der Anzeigerin". Mittels Rufdaten-Rückerfassung wurde festgestellt, dass sie immer wieder selbst telefonischen Kontakt zu den angeblichen Tätern gesucht hatte, was mit ihrer Darstellung, sie wäre von diesen "abgepasst" worden, nicht zusammenpasste.

Einer der offensichtlich zu Unrecht Bezichtigten hatte ein Alibi : Zum Zeitpunkt eines angeblichen Übergriffs war der Bauarbeiter auf einer Baustelle im Einsatz.

Auch die Behauptung der Frau, sie wäre im Zuge der Vergewaltigungen mehrmals geschwängert worden und hätte abgetrieben, war nicht nachweisbar.

Anzeige wegen Verleumdung

Die 30-jährige Frau muss mit einer Anzeige wegen Verleumdung rechnen. Strafrahmen: Sechs Monate bis fünf Jahre Haft.Die Staatsanwaltschaft will die Frau aber dem Vernehmen nach vorerst psychiatrisch untersuchen lassen, um eine allfällige Zurechnungsunfähigkeit abzuklären.

APA)

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