Kein Grund zur Freude

23. Dezember 2004, 07:00
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Expertin nennt geschiedene Väter und einsame Menschen als Hauptrisikogruppen für Depression zu Weihnachten

Wien - "Eine negative Grundstimmung und der plötzliche Wegfall von Betriebsamkeit und Leistung können am Heiligen Abend und während der Feiertage zu einer Depression führen", sagt Margot Schmitz, Universitätsdozentin für Psychiatrie an der Universität Wien.

Wenn es nichts zu freuen gibt

Entscheidend sei dabei das Umschalten von Betriebsamkeit auf Emotion. "Das Umschalten geht nur, wenn es etwas gibt, worauf man sich freuen kann. Viele Menschen haben jedoch nichts, auf das sie sich zu Weihnachten freuen können", erläutert Schmitz. Hinzu komme noch, dass die Menschen der Situation nicht entrinnen könnten: Das Stammlokal hat geschlossen, die Freunde feiern selbst Weihnachten mit ihrer Familie und wollen an diesem Tag ungestört sein. Schmitz: "Es sind alle Zufälligkeiten ausgeschaltet. Am 24. Dezember, dem stillsten Tag des Jahres, bleibt die Zeit stehen."

560.000 zu Weihnachten depressiv

Laut einer Umfrage des ISMA Meinungsforschungsinstituts unter 500 Personen zum Thema "Macht Weihnachten krank?", gaben sieben Prozent an, dass sie am Heiligen Abend "depressive Verstimmungen" hätten. Auf Österreich umgelegt heißt das: 560.000 Menschen sehen keinen Grund zum Feiern.

Jahresausklang wirkt belastend

Belastend wirke sich auch das zu Ende gehende Jahr aus. Schmitz: "Die Menschen haben Endphantasien. Denn das Jahr geht zu Ende. Das Leben geht zu Ende. Nur die Krise geht nicht. Die bleibt."

Die Risikogruppen

Besonders bedroht sind laut Schmitz geschiedene Väter, die die Weihnachtsfeiertage ohne ihre Kinder verbringen müssen. Schmitz: "Die meisten Scheidungsväter fürchten sich vor Weihnachten und fühlen sich gedemütigt." Es gibt aber genauso Menschen, die mit ihrer Familie Weihnachten feiern und sich trotzdem einsam fühlen. Sie können sich gegen das Gefühl einer inneren Leere nicht wehren. Stark betroffen sind auch Personen, die über die Feiertage allein sind.

Vorbeugende Maßnahmen

"Wenn die Krise in einem aufsteigt, wäre es klug, eine Lösung im Auge zu haben. Viele Menschen lassen sich etwa in ihrem Beruf für die Feiertage zur Arbeit einteilen", sagt Schmitz. Die Alternative: "Ein Termin bei einem Arzt oder bei einem Psychotherapeuten vor dem 24. Dezember. Denn am Heiligen Abend sind in der Regel nur die Notdienste im Einsatz." (red)

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