Wifo und IHS senken Wachstumsprognose für 2005

22. Dezember 2004, 17:41
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Von zuletzt 2,5 auf 2,2 und 2,3 Prozent - Fester Euro und teures Öl dämpfen - Arbeits­losigkeit hat Höhepunkt überschritten

Wien - Österreichs Wirtschaft wird nächstes Jahr zwar etwas stärker als heuer wachsen, aber doch schwächer als noch im Herbst erwartet. Die beiden heimischen Forschungsinstitute Wifo und IHS haben am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für 2005 von zuletzt 2,5 Prozent auf 2,2 bzw. 2,3 Prozent gesenkt. Für heuer sehen sie das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,9 bzw. 2,0 Prozent wachsen.

Grund für die Prognose-Revision nach unten sind der hohe Euro-Kurs und die Folgewirkungen der Rohöl-Verteuerung, wodurch die Entwicklung der Wirtschaft gedämpft wird, wie das Wifo am Freitag erklärte. Zudem hätten die Abwärts-Risiken gegenüber der letzten Prognose von Anfang Oktober zugenommen, betont das Institut für Höhere Studien (IHS).

Mehr Optimismus für 2006

Für 2006 sind die Experten etwas optimistischer und erwarten einen um 0,1 Prozentpunkte stärkeren Zuwachs des realen BIP von dann 2,3 bzw. 2,4 Prozent im Jahresabstand.

Die am Mittwoch vorgelegte Prognose setzt laut Wifo voraus, dass sich der Höhenflug des Euro nicht fortsetzt und dass sich der Exportboom auf die Inlandsnachfrage überträgt. Gemäß IHS müsste der Euro-Kurs sogar zurückgehen und auch der Rohölpreis sinken, damit sich das Wachstum von 2005 auf 2006 leicht beschleunigen kann; Annahmen über solch volatile Größen seien aber sehr unsicher.

Arbeitslosigkeit hat Höhepunkt überschritten

Die leichte Konjunkturbelebung macht sich auch am Arbeitsmarkt positiv bemerkbar. Auf Grund des weiter steigenden Arbeitsangebots wird sich die Beschäftigungsausweitung nach Ansicht von Wifo und IHS aber nicht in einem äquivalenten Rückgang der Arbeitslosigkeit niederschlagen, erklärten das IHS. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut hat die Arbeitslosigkeit ihren konjunkturellen Höhepunkt überschritten.

Die Arbeitslosenquote nach Eurostat-Definition dürfte von heuer 4,5 Prozent im kommenden Jahr leicht auf 4,4 Prozent sinken und dann 2006 weiter auf 4,2 bis 4,3 Prozent zurückgehen, nehmen Wifo und IHS an. Nach nationaler Definition wird ein Rückgang von 7,1 auf dann knapp 7 Prozent bzw. übernächstes Jahr 6,7 bis 6,8 Prozent gesehen.

Zusätzliches Wachstum durch Steuerreform

Die Steuerreform 2005 wird der heimischen Wirtschaft nächstes Jahr einen zusätzlichen Wachstumsschub von 0,25 bis 0,30 Prozentpunkte verschaffen, zugleich aber auch das Budgetdefizit erhöhen. Auch 2006 resultiert daraus noch ein zusätzlicher Impuls von 0,2 Prozentpunkten, womit das BIP-Wachstum Östereichs auch im übernächsten Jahr spürbar über jenem des Euro-Raums liegen wird.

Das Defizit des Gesamtstaates laut Maastricht-Definition dürfte heuer wegen höherer Ausgaben für Arbeitslosigkeit und Beamtenpensionen (Frühpensionierungen) laut Wifo und IHS nach vorläufiger Schätzung auf 1,3 Prozent des BIP ansteigen; angestrebt war ein Defizit von 0,7 Prozent des BIP.

Für 2005 erwarten die Institute eine Ausweitung der gesamtstaatlichen Neuverschuldung auf 2,0 bzw. 1,9 Prozent des BIP. 2006 dürfte das Defizit der öffentlichen Haushalte auf etwa 1 3/4 Prozent zurückgehen, was dem im Stabilitätsprogramm angeführten Wert entspricht.

Rohöl bei 38 Dollar/Barrel gesehen

Seiner Prognose hat das Wifo unterstellt, dass der Rohölpreis von 42 US-Dollar pro Fass im kommenden Jahr auf 38 Dollar je Barrel im übernächsten Jahr sinkt. Das IHS erwartet gegenwärtig für 2005 und 2006 einen Ölpreis von 40 Dollar und einen Euro-Wechselkurs von 1,31 Dollar.

Infolge der verbesserten Einkommensentwicklung sollten die Konsumausgaben in Österreich heuer um 1,7 Prozent zulegen, meint das IHS. Die Steuerreform 2005 - mit Steuererleichterungen von insgesamt 2,6 Mrd. Euro, davon 1,1 Mrd. Euro KÖSt-Entlastung für die Unternehmen - werde die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte erhöhen, sodass nächstes Jahr ein Konsumwachstum von 2,5 Prozent zu erwarten sei.

2006 werde dann mit 2,1 Prozent Konsumwachstum gerechnet. Trotz 2005 stagnierender Bruttorealeinkommen würden die Nettorealeinkommen je Arbeitnehmer dank Steurreform um 1 1/4 Prozent zunehmen, so das Wifo.

Exporte werden weniger stark wachsen

Nach real 10 Prozent Zuwachs bei den heimischen Warenausfuhren in diesem Jahr werden die Exporte 2005 und 2006 wegen der zu erwartenden Abschwächung der Weltkonjunktur nicht mehr so rasch steigen. Die 2003 und 2004 durch die Investitionszuwachsprämie stimulierte Investitionstätigkeit wird nachlassen, 2005 sieht sie das Wifo in der Gesamtwirtschaft nur um 1 1/2 Prozent wachsen.

Die Leistungsbilanz sieht das Wifo weiterhin mit 2,4 bis 2,7 Mrd. Euro im Minus, das IHS erwartet 2005 eine Drehung auf ein leichtes Plus von 0,2 Mrd. Euro und dann 1,0 Mrd. Euro Überschuss 2006. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wifo-Chef Helmut Kramer (l.)und IHS-Chef Bernhard Felderer (r.) müssen ihre Prognosen für 2005 nach untern revidieren.

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