"Washington Post" kauft "Slate"

22. Dezember 2004, 19:01
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"Sold! Slate says: Goodbye, Bill G. - Hello, Don G.": Microsofts Online-Magazin wechselt um 20 Millionen Dollar den Besitzer

Washington Post verstärkt ihr Online-Engagement und hat dazu das Online-Magazin "Slate" des Softwareriesen Microsoft übernommen. Slate soll künftig neben den Online-Ausgaben von Newsweek und Washington Post das dritte Standbein im Internet des Zeitungsverlages sein. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, das Wall Street Journal schreibt aber unter Berufung auf Informanten von einer Größenordnung von 15 bis 20 Mio. Dollar. An Slate soll sich durch die Übernahme nicht viel ändern. Das Online-Magazin wird weiter über die Website von Microsofts MSN erreichbar bleiben.

Auf der Slate-Website wird der Wechsel in der Eigentümerschaft salopp mitgeteilt: "Sold! Slate says: Goodbye, Bill G. - Hello, Don G. (Don Graham, Washington-Post-CEO, Anm.)", heißt es auf der Homepage in Balkenlettern. Slate wurde von Microsoft vor acht Jahren gelauncht. Das Magazin wurde zwar wegen seines Contents hoch gelobt, die finanziellen Möglichkeiten blieben aber hinter dem Renommee weit zurück. Microsoft war schon seit Monaten auf der Suche nach einem Käufer für Slate, das es zuletzt auf 5,1 Mio. Unique Visitors gebracht hat.

Büro in Redmond wird geschlossen

Das Online-Magazin soll weiterhin über Büros in New York und Washington verfügen, die Redaktion in Redmond wird geschlossen. Jacob Weisberg wird Slate-Herausgeber bleiben, von Washington Posts Online-Abteilung wird Cliff Sloan in die Führungsetage einziehen. Die Redaktionsmannschaft von Slate zeigte sich in einem auf der Homepage publizierten Statement von Weisberg zuversichtlich für die Zukunft und streute dem alten Eigentümer Microsoft Rosen: "Wenn wir Artikel geschrieben haben, die die Manager in Redmond wohl kaum gemocht haben, haben wir keine Beschwerden gehört. Während bei anderen Online-Publikationen das Budget gekürzt wurde oder sie überhaupt geschlossen wurden, so blieb unser Budget unangetastet", schrieb Weisberg. "Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der Washington Post den richtigen Käufer gefunden haben", betonte der Slate-Herausgeber.

Die Washington Post will durch die Übernahme vor allem verstärkt am wachsenden Online-Werbekuchen mitnaschen. Andererseits markiert die Übernahme das erneute Interesse, das Online-Medien nach dem Platzen des Internet-Hypes wieder auf sich ziehen. Slate ist innerhalb kurzer Zeit die zweite Akquisition, bei der sich ein traditionelles Medienunternehmen im Online-Bereich engagiert. Erst zu Beginn dieser Woche hatten US-Aufsichtsbehörden die 519-Mio.-Dollar-Übernahme von MarketWatch durch Dow Jones genehmigt. (pte)

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