Spanien: Erneut islamistische Terrorzelle zerschlagen

22. Dezember 2004, 19:38
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Drei mutmaßliche Islamisten in Katalonien verhaftet - Marokkaner wollten angeblich über Mittelsmann Sprengstoff kaufen

Madrid - Die spanische Polizei hat erneut eine islamistische Terrorzelle zerschlagen. In der Region Katalonien in Nordostspanien hat die spanische Polizei am Mittwoch drei mutmaßliche Islamisten festgenommen. Regierungsangaben zufolge sollen die Marokkaner versucht haben, Sprengstoff zu kaufen. Den Männern werde vorgeworfen, im September über einen Mittelsmann in einem nicht genannten mitteleuropäischen Land nach Sprengstoff verlangt zu haben, teilte das Innenministerium am Mittwoch mit.

Die spanische Regierung sei von ausländischen Geheimdiensten auf den Kaufversuch aufmerksam gemacht worden. Rund 100 Polizisten seien am Morgen an dem Einsatz in der Region Barcelona beteiligt gegewesen. Bei der nächtlichen Razzia in den Ortschaften Sant Andreu de la Barca und Mollet del Valles in der Nähe von Barcelona seien drei weitere Personen festgenommen worden. Diese seien nicht terrorverdächtig und könnten bald wieder auf freien Fuß kommen, hieß es.

Am Vortag hatte Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero einen eigens für die Weihnachtsfeiertage entwickelten Sicherheitsplan gegen Terror-Anschläge angekündigt. Wegen der Vorkommnisse in diesem Jahr habe die Regierung allen Grund, Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bürger zu ergreifen, hatte Zapatero gesagt.

Auf Lanzarote verhaftete Marrokaner in U-Haft genommen

Der am Freitag im Zusammenhang mit den Anschlägen in Madrid vom 11. März auf der Kanareninsel Lanzarote festgenommene Marokkaner Hassan el Haski wurde unterdessen in Madrid in Untersuchungshaft genommen. Nach Angaben der Justiz werden dem 41-Jährigen "terroristische Morde und Zerstörungen" sowie die Mitgliedschaft in der "terroristischen Vereinigung Marokkanische Islamische Kampfgruppe (GICM)" zur Last gelegt.

Die Gruppe soll in den 90-er Jahren von marokkanischen Afghanistan-Kämpfern gegründet worden sein und enge Kontakte zum El-Kaida-Netzwerk von Osama bin Laden unterhalten. Haski beteuerte den Angaben zufolge während des Verhörs am Dienstagabend vor dem Untersuchungsrichter Juan del Olmo seine Unschuld.

Außer in die Anschläge von Madrid soll Haski auch in die Attentate von Casablanca verwickelt sein, bei denen im Mai 2003 45 Menschen getötet wurden. Es besteht außerdem der Verdacht, dass er den tödlichen Anschlag auf den niederländischen Filmemacher Theo van Gogh am 2. November in Amsterdam angeordnet oder geplant haben könnte.

Bei einem Anschlag auf Pendlerzüge in Madrid waren am 11. März bei denen 191 Menschen ums Leben gekommen. Eine mutmaßlich mit der Al-Kaida verbundene moslemische Extremistenorganisation hatte zu den Anschlägen bekannt. (APA/Reuters)

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