Kritik am Zwangs-Verkauf wächst

23. Dezember 2004, 06:20
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Medienberichte vermuten kremltreue Surgutneftegas hinter ominöser Baikalfinansgrup

Noch gibt es keine Klarheit, wer die Yukos-Tochter Yuganskneftegas ersteigert hat. Spekulationen und Hinweise mehren sich. Der renommierteste Kommentator der dubiosen Auktion der wichtigsten Yukos-Fördertochter Yuganskneftegas war am Dienstag zweifellos Vladimir Putin: Aktionäre der Baikalfinansgrup (BFG) seien Leute, die sich "schon viele Jahre mit dem Energiesektor beschäftigen".

Zur Aufhellung der Frage, wer hinter BFG steckt, trug die Wortmeldung nicht bei. Bis jetzt fehlt jegliche offizielle Information über die unbekannte Kompanie, die am Sonntag wider jedes Erwarten den Favorit Gaspromneft, eine Tochter von Gasprom und Rosneft, ausbootete.

Es unterminiert nicht nur das russische Rechtssystem, sondern auch die Reputation Russlands als eines Landes, in dem man Business betreiben kann, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums.

"Schlag gegen das Image des russischen Unternehmertums"

Auch der Präsident des russischen Unternehmerverbandes Arkadi Volski stimmt dem zu: "Es ist ein Schlag gegen das Image des russischen Unternehmertums. Alle fragen sich, wozu wir diese Schaubudenvorstellung brauchen", sagte er zu Radio Echo Moskvy.

Die Yukos-Führung hat die Behörde für Bundeseigentum um Aufklärung gebeten. Außerdem hat man versichert, gerichtlich gegen alle Teilnehmer der Auktion vorzugehen. Für die Klage wurde wieder das US-Gericht in Houston ausgewählt, wo Yukos schon in der Vorwoche eine Verschiebung der Auktion erreichen wollte.

Kremltreuer Käufer

Die meist gut informierte Wirtschaftszeitung Vedomosti erhielt von einem Mitarbeiter der Ölfirma bestätigt, dass die BFG-Vertreter bei der Auktion, Igor Minibajew und Valentina Komarova, Mitarbeiter der kremlloyalen Ölgesellschaft Surgutneftegas seien. Dass Surgut im Spiel ist, verwundert Beobachter nicht, gilt die Firma doch als liquidester und kremlloyaler Konzern.

Auch auf der Moskauer Börse waren am Montag alle Ölwerte abgefallen, einzig Surgutneftegas legte um 7,2 Prozent zu. Der Anzahlungskredit von 1,7 Milliarden Dollar komme von der Sberbank - mehrheitlich im Besitz der Nationalbank.

Aber auch Gasprom wird nach wie vor in Gerüchten gehandelt. (DER STANDARD Printausgabe, 22.12.2004)

Eduard Steiner aus Moskau
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