2004 brachte Österreich einen "absoluten Pleitenrekord"

29. Dezember 2004, 09:50
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Entgegen den Erwart­ungen vor einem Jahr riss die Zahl der Pleiten 2004 nicht ab - Die gute Nachricht: Es waren weniger Mit­arbeiter als im Vorjahr betroffen - Mit Infografik

Wien - Österreich hat erneut einen Rekord aufgestellt - allerdings einen wenig erfreulichen: 2004 gab es ein "All-Time-High bei den Unternehmensinsolvenzen", leitete Hans-Georg Kantner vom KSV (Kreditschutzverband) seine Insolvenzstatistik 2004 ein.

Heuer ist die Zahl der Gesamtinsolvenzen (eröffnete Insolvenzen und mangels Masse abgewiesene Konkursanträge) von Firmen gegenüber 2003 um elf Prozent auf 6273 Fälle gestiegen, ein "absoluter Pleitenrekord seit 1945". Auch die Zahl der Privatkonkurse kletterte um 25 Prozent auf einen absoluten Höchststand von rund 4700 Verfahren.

"Von nun geht's bergab"

Dennoch wagte Kantner die Prognose, "von nun an geht's bergab": 2005 werde die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um "ein, zwei Prozent" geringer ausfallen. Über weite Strecken gab es bereits heuer keinen Anstieg mehr, nur in den vergangenen vier Wochen seien einige Insolvenzen dazu gekommen - wie vor wenigen Tagen der Schuhhersteller Gallus in Kärnten, dessen Holding am Dienstag gleichfalls den Konkurs anmeldete.

Ein kleiner Lichtblick in der heurigen Statistik: Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter ist um sieben Prozent auf 21.300 Mitarbeiter zurückgegangen.

Bauwirtschaft auf dem Spitzenplatz

Den Spitzenplatz nahm einmal mehr die Bauwirtschaft ein, die das dubiose "Siegerstockerl" seit zehn Jahren besetzt. In diesen Bereich fällt auch die Mehrzahl der wegen Masse abgewiesenen Konkursanträge, von denen nach Schätzung von Kantner wenigstens ein Drittel (rund 1300 Anträge) "betrügerische Insolvenzen" seien.

Zwar werde dies mit Jahresanfang 2005 nunmehr ein Straftatbestand, aber "nur wenn man die scharfe Klinge des Gesetzes auch tatsächlich einsetzt" könnte dies abschreckende Wirkungen haben. Kantner zeigte sich eher pessimistisch, was die Kapazität der Justiz zur Verfolgung dieser Delikte betrifft.

Hebel Dienstnehmer

Kantner sieht hier die Notwendigkeit, dass bei solchen betrügerischen Insolvenzen ein Hebel bei der Anerkennung der Forderungen von Dienstnehmern liege. Meist geht es hier um Baufirmen, die Mitarbeiter zur Sozialversicherung anmelden, jedoch keinerlei Beiträge entrichten und planmäßig Pleite machen.

Die Folge: Der Pleitenfonds übernimmt die Zahlung der Gehälter - obwohl es Grund zur Annahme gebe, dass die betroffenen Dienstnehmer "nicht um Gottes Lohn gearbeitet haben". Nur wenn es hier Druck auf die Dienstnehmer gebe, "unangenehme Fragen" bei der Anstellung zu stellen, könnte sich hier etwas ändern, erklärte Kantner.

Die Steigerung bei den Privatkonkursen sei hingegen anders zu bewerten als die der Unternehmen, sagte Kantner: Hier gebe es - in Anbetracht der wesentlich höheren Zahl an überschuldeten Haushalten - einen Rückstau bei der Umwandlung in Konkurse. "100.000 insolvente Personen sind in der Warteschleife", die Zahl werde weiter steigen. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 22.12.2004)

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