Analyse ohne Beratungsaufwand

24. September 2007, 15:09
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Wer strategisch vorgehen will, muss erst wissen, wo er steht. Ein Selbstcheck zur Unternehmensanalyse

Wer jahrelang geraucht hat, und es eines Tages nicht mehr tut, hat so seine Gründe. Einer ist Schwangerschaft. Viel öfter ist es aber die schlichte Erkenntnis, Rauchen sei schlecht und somit bleiben zu lassen. Fehlt diese, sind alle Aufhörversuche zum Scheitern verurteilt.

Fehlentwicklungen erkennen

Im Unternehmen ist es so ähnlich. Jahrelang praktizierte schlechte Angewohnheiten lassen sich nicht so leicht verlernen. Voraussetzung ist aber, sie erst einmal zu erkennen. Das ist keine leichte Aufgabe, und besonders dann nicht, wenn es um langfristige Entwicklungen geht, die auf bereits vergessene Entscheidungen zurück gehen.

Um nicht erst auf Fehlentwicklungen im Unternehmen zu stoßen, wenn es schon zu spät ist, sind regelmäßige Analysen notwendig. Im operativen Bereich sollten sie häufiger stattfinden - wie oft, ergibt sich aus den Planungszyklen der Produktion. Wie oft das strategische Konzept nach einer Überarbeitung verlangt, richtet sich stark nach der Dynamik des Marktes und der Branche. Traten neue Konkurrenten am Markt auf oder gibt es neue Angebote bestehender Konkurrenten, kann eine Strategieänderung erforderlich sein.

Märkte abgrenzen

Zu Beginn der strategischen Analyse sollten die Märkte, in denen das Unternehmen agiert, genau definiert werden. Kein Unternehmen ist nur in einem Markt tätig. Wer Stühle herstellt, kann das für Arbeitszimmer, Konferenzräume, Kindergärten oder Bars tun, oder für alle Verwendungszwecke gleichzeitig. Jede dieser Gruppen kann dann wieder nach Zielgruppen unterteilt werden, etwa anhand der Kriterien Alter, Bildung oder Einkommensniveau.

Spontane Antworten

Das Schweizerische Institut für gewerbliche Wirtschaft am Institut St. Gallen schlägt folgende Fragen für den strategieanalytichen Selbstcheck vor. Jede dieser Fragen sollte spontan (maximal fünf Sekunden Bedenkzeit) mit "Ja", "zum Teil" oder "Nein" beantwortet werden:

1. Wachsen die Märkte, in denen Sie tätig sind?

2. Gibt es genügend Möglichkeiten, sich in Ihren Märkten zu differenzieren oder zu spezialisieren?

3. Können Ihre Kunden Sie stark unter Druck setzen?

4. Haben Sie in Ihren Märkten oder in Ihrem Geschäftsbereich eine führende Position?

5. Haben Sie gegenüber der Konkurrenz klare Vorteile?

6. Gelingt es Ihnen, laufend neue Produkte oder Dienstleistungen einzuführen?

7. Verfügen Sie gegenüber der Konkurrenz über Kostenvorteile?

8. Konzentriert sich Ihr Unternehmen auf wenige Kernbereiche, oder sollen alle Zielgruppen irgendwie befriedigt werden?

9. Ist die Strategie Ihres Unternehmens festgelegt? Mit anderen Worten: Haben Sie definiert, welche Produkte oder Märkte Ihnen am wichtigsten sind?

10. Haben Sie sich auch Alternativen zu Ihrer Strategie überlegt, oder hat sich alles irgendwie entwickelt?

11. Kennen die Mitarbeiter die Strategie oder die Prioritäten, die in Ihrem Unternehmen gesetzt werden sollen?

12. Wird die Strategie konsequent umgesetzt?

Das Beantworten der Fragen sollte dabei helfen, Transparenz in die gegenwärtige strategische Position zu bringen. Dabei ist es nicht wichtig, jede Frage im Detail zu beantworten. Vielmehr geht es um den emotionalen Eindruck, den man sich mit der Zeit gebildet hat: Er verrät viel darüber, wie es dem Unternehmen gerade geht. (mas)

  • Erst die Untersuchung, dann die Diagnose
    foto: der standard/cremer

    Erst die Untersuchung, dann die Diagnose

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