Top-Manager sitzen vor allem in Deutschland auf dem Schleudersitz

29. Dezember 2004, 10:54
posten

Studie: Nirgendwo sonst werden so viele Konzernchefs gefeuert wie in Deutschland

Wie tief ein Top-Manager fallen kann, hat in diesem Jahr wohl niemand härter erfahren als KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban. Vor vier Jahren war er mit viel Vorschusslorbeeren als Retter angetreten, um Europas größten Warenhaus- und Versandhandelskonzern zu sanieren. Doch als er im Mai dieses Jahres "aus gesundheitlichen Gründen" zurücktrat, war die Lage des Unternehmens schlechter als zuvor. Und kein geringerer als Bundeskanzler Gerhard Schröder kommentierte die Karstadt-Krise mit den Worten: "Das war Management-Versagen in seiner krassesten Form."

Rauswurf

Nach einer Studie der Managementberatung Booz Allen Hamilton sitzen deutsche Manager auf einem Schleudersitz, wenn sie die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen. Im Jahr 2003 etwa sei hier zu Lande jeder zweite Wechsel an der Konzernspitze von Großunternehmen auf Grund mangelhafter Leistungen erfolgt.

In der Serie von Rücktritten in diesem Jahr war Urban kein Einzelfall. Bereits zwei Monate vor ihm hatte Infineon-Chef Ulrich Schumacher, einer der schillerndsten deutschen Konzernbosse, Knall auf Fall seinen Hut genommen. Immer wieder hatte der 45-Jährige mit spektakulären Aussagen, wie der Drohung den Firmensitz aus steuerlichen Gründen ins Ausland zu verlegen, für Schlagzeilen gesorgt. Schließlich soll es im Infineon-Aufsichtsrat zu einer Generalabrechnung mit der Unternehmenspolitik Schumachers gekommen sein.

Mitleid, in Grenzen

Manchmal reichten auch schon einige tausend Euro zum Verlust des Chefpostens. So musste Bundesbankpräsident Ernst Welteke im April nach viereinhalb Jahren an der Spitze der deutschen Notenbank seinen Chefsessel räumen, weil er sich zusammen mit seiner Familie von der Dresdner Bank zu einem 7.660 Euro teueren Silvesteraufenthalt im Berliner Luxus-Hotel Adlon hatte einladen lassen. Dies hatte Bevölkerung und Politik gleichermaßen empört. Denn schließlich beaufsichtigt die Bundesbank die anderen Kreditinstitute Deutschlands.

Rewe-Chef Dieter Berninghaus trat im Oktober nach nur sechs Monaten an der Spitze des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers wegen einer "schwerwiegenden Erkrankung" zurück. Einen Monat später wurde bekannt, dass die Kölner Staatsanwaltschaft gegen den Manager wegen des Verdachtes des Betruges und der Steuerhinterziehung ermittelte.

Tausch

Doch auch Erfolg schützt Manager nicht unbedingt vor einem Verlust des Arbeitsplatzes. So verabschiedete sich im März der Chef des Fernsehimperiums ProSiebenSat.1, Urs Rohner, von seinem Posten und machte einem Vertrauten des neuen Haupteigners Haim Saban Platz. Dabei war es Rohner gelungen, in seinem letzten Jahr an der Unternehmensspitze den Gewinn der Gruppe zu verdreifachen.

T-Online-Chef Thomas Holtrop, der die Internetfirma in die schwarzen Zahlen gebracht hatte, verließ das Unternehmen, nachdem Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke die Zuständigkeiten für Festnetz- und Online-Geschäft im Vorstand des größten deutschen Telekommunikationsunternehmens gebündelt und ihn dabei übergangen hatte.

Einsam?

Manchmal wartet auf die Manager allerdings auch schon bald nach dem Abgang die nächste Aufgabe. So hat der frühere DaimlerChrysler-Manager Wolfgang Bernhard eine wilden Ritt auf der Karriere-Achterbahn hinter sich. Eigentlich sollte der als Kostensenker geltende Manager in diesem Jahr den Chefposten bei der Edelmarke Mercedes übernehmen. Doch zwei Tage vor Amtsantritt wurde er entmachtet. Mit der Ankündigung eines harten Sanierungskurses hatte er vor allem die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gegen sich aufgebracht.

Doch der Karriereknick war nur von kurzer Dauer. VW-Chef Bernd Pischetsrieder, der selbst einst bei BMW den Hut genommen hatte, sicherte sich die Dienste des Managers - zunächst als Konzernvorstand ohne Geschäftsbereich. Doch spätestens ab 2006 soll Bernhard der neue Chef der wichtigsten Konzernmarke Volkswagen werden. (APA)

Share if you care.