Abdruck von Gsell-Jugendfotos untersagt

26. Dezember 2004, 17:48
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Chirurgen-Witwe setzt sich gegen Burda-Verlag durch - Gericht bezieht sich auch auf Caroline-Urteil

Prominente können die Veröffentlichung privater Fotos aus der Zeit vor ihrer Berühmtheit verbieten. Tatjana Gsell hat ein entsprechendes Verbot gegen den Burda-Verlag durchgesetzt. Das Landgericht München I bestätigte in einem am Dienstag veröffentlichten Urteil eine entsprechende Einstweilige Verfügung der 33-jährigen Witwe des Nürnberger Schönheitschirurgen Franz Gsell gegen den Verlag. Die zuständige Zivilkammer bezog sich dabei auch auf das umstrittene Caroline-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Die Burda-Zeitschrift "Freizeit Spaß" hatte im Oktober in Ausgabe 43/2004 über Gsell und ihr Verhältnis zu Prinz Ferfried von Hohenzollern unter der Überschrift "Über sein peinliches Liebesgestammel lacht ganz Deutschland" berichtet. Dabei verwendete die Redaktion auch ein rund 15 Jahres altes Jugendfoto von Tatjana Gsell und schrieb dazu: "Natur pur: So sah Tatjana aus, bevor der Doktor zum Messer griff."

Die 33-Jährige beantragte dagegen eine Einstweilige Verfügung und erklärte, mit dem Foto werde der Eindruck erweckt, dass sie sich allein durch Schönheitsoperationen "sozusagen von einem hässlichen Entlein in einen schönen Schwan verwandelt habe".

Entscheidung selbst tragen

Das Landgericht entschied nun, dass aus Gsells Rolle als Person der Zeitgeschichte nicht ein Recht der Medien abgeleitet werden könne, "erkennbar private Aufnahmen zu veröffentlichen, die aus einer Zeit stammen, zu der die Person den Schritt in die Öffentlichkeit noch nicht getan hatte." Prominente müssten die Folgen ihrer Entscheidung, ihre Privatsphäre ganz oder teilweise der Öffentlichkeit preiszugeben, selbst tragen, und es liege bei ihnen, ob und wie sie sich präsentieren, heißt es in der Entscheidung.

Diese Möglichkeit habe Gsell zum Zeitpunkt des Jugendfotos jedoch nicht gehabt, "da sie noch nicht voraussehen konnte, dass sie später einmal im Zentrum der Medienöffentlichkeit stehen würde", erklärte das Gericht. Deshalb wiege das Persönlichkeitsrecht der Witwe schwerer als das Interesse der Medien an der Veröffentlichung der Fotos. Bei ihrer Abwägung bezogen sich die Richter unter anderem auch auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der im Juni die Veröffentlichung von Bildern aus dem Privatleben von Caroline von Monaco verboten hatte und damit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts widersprach.

Widerspruch

Der Verlag hatte laut Gericht bei seinem Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung geltend gemacht, dass Gsell durch ein Aufsehen erregendes Verbrechen - dem Versicherungsbetrug mit fingiertem Autoraub - zu Berühmtheit gelangt sei, und zu denjenigen Personen zähle, die sich in die Öffentlichkeit drängten und ihr gesamtes Leben öffentlich zelebrierten. Wer sich wie Gsell derart hemmungs- und hüllenlos vermarkte, müsse damit rechnen, dass sein heutige Äußeres mit dem früheren verglichen werde.

Burda-Sprecher Nikolaus von der Decken erklärte, dass sich der Verlag vorbehalte, nach Eingang der schriftlichen Urteilsbegründung in Berufung gegen das Urteil zu gehen. (APA)

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