Ein Fest mit Gin Tommi

26. Dezember 2004, 22:31
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Eine neue "Supernacht der Weihnachtsstars" im Rabenhof - Mit Palfrader, Maurer, Puntigam, Haipl, Baier und Ratschiller

Wien - Weihnachten wie immer im Rabenhof, der besten Kabarettbühne Wiens: Thomas Maurer, Vertreter einer Firma, die Schwangerschaftsstreifen verkauft, putzt mit Lieblosigkeit den Christbaum auf; Martin Puntigam, seine Frau, ist wieder die Güte in Person, die alles versteht und daher nicht nur, dass die Jessica zur Bescherung kommt: Damit es ein wirklich friedlicher Weihnachtsabend wird, verschwindet der Vati mit seiner kaum volljährigen Freundin ganz kurz im Hobbykeller.

Turbulent geht es in der Supernacht der Weihnachtsstars die längste Zeit dennoch zu. Schließlich hat sich der pubertierende Clemens Haipl diesmal den Eminem gewünscht, aber der Vati hat nur den Roberto Blanco buchen können. Und weil er sich mit dem Lesen schwer tut, hat er nicht, wie im Vertrag vorgeschrieben, für eine Präsidentensuite gesorgt, sondern eine Präsidentenwitwe kidnappen lassen: Oliver Baier trippelt im grünen Kostüm als Margot Löffler herum, die ihre Einsamkeit mit Gin Tommi (ein Spritzer Odol sorgt für frischen Atem) bekämpft.

Den FM4-Spaßmachern ist heuer eine noch schrägere Version geglückt: Roberto Blanco telefoniert mit Elfriede, der er eine Rede für Stockholm geschrieben hat, und liest aus seinen Memoiren ("Neger mit Köpfchen") vor. Nach Erfüllen des Kontrakts schminkt sich Robert Palfrader ab - und sieht zwischendurch, ölig-schwarz, wie ein Tankerunfall aus: Er könne, meint Puntigam, im Fasching als "Prestige" gehen. Hosea Ratschiller sinniert als Jessica über eingetrocknetes Sperma als brauchbaren Haarwachsersatz, und Maurer zertrümmert gegen Spenden unerträgliche Weihnachtsmusik-CDs.

Doch dann wird es, wie jedes Jahr, irgendwie ernst, leicht besinnlich und beinahe moralisch. Maurer appelliert recht eindringlich, keine Tiere zu schenken, man erzählt sich die Weihnachtsgeschichte, und Puntigam trumpft mit seinem altphilologischen Schulwissen auf: Die Ich-AG hätte damals, zu Christi-Geburt, noch Ichtüs-AG geheißen.

Ganz zum Schluss singt man wieder den sentimentalen Klassiker "Ist denn Weihnachten überhaupt noch ein Fest für die Kinder?" - diesmal in Band-Aid-Manier unter anderem mit Georg Danzer. Wunderbar. Nur noch heute, Dienstag, und morgen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2004)

Von
Thomas Trenkler

Rabenhof
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    foto: rabenhof
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