Fahnden nach dem dubiosen Käufer

23. Dezember 2004, 06:20
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Öffentlichkeit vermutet Gasprom hinter Deal - Baikal-Finanzgruppe muss bis 11. Jänner Kaufsumme bezahlen

Einen Tag nach der Versteigerung von 77 Prozent der wichtigsten Yukos-Fördertochter Yuganskneftegas rätseln Russland und die Welt, wer sich hinter dem Käufer verbergen könnte. Die bisher unbekannte Baikal-Finanzgruppe (BFG) hatte um sieben Milliarden Euro das Yukos-Herz, das doppelt so viel wert ist und zehn Prozent des russischen Öls fördert, erworben. Dies, obwohl die Tochter von Gasprom und Rosneft (Aufsichtsratschef ist Putins Vizeadministrationsleiter Igor Setschin) der unbestrittene Favorit war. Gaspromneft hatte dann bei der Auktion kein Angebot abgegeben, sondern nur um eine an sich illegale Unterbrechung für ein mysteriöses Telefonat gebeten.

Bis 11. Jänner muss BFG die Kaufsumme bezahlen, andernfalls können die Aktiva von Yuganskneftegas auf den Staat übergehen, erklärte der Fonds für Staatseigentum.

Mutmaßungen

Die Mutmaßungen über die Hintermänner der BFG, die nicht einmal ein Büro hat, gehen nach wie vor in Richtung Gasprom selbst und den kremlloyalen Ölkonzern Surgutneftegas. Die Experten der Alfa-Bank brachten auch Roman Abramowitschs Ölkonzern Sibneft, der ja in einem ungelösten Merger mit Yukos stand, ins Spiel. Mehr als 90 Prozent der Anrufer beim Radiosender Echo Moskvy gaben sich überzeugt, dass der Kreml hinter BFG steckt.

Für Surgutneftegas würde sprechen, dass sie die meisten freien Mittel hat. Das Gros der Vermutungen konzentriert sich aber dennoch auf Gasprom.

Probleme umgangen

Somit wäre BFG nur vorgeschoben, damit Gasprom Probleme mit dem US-Gericht umgeht. Eine texanische Richterin hatte in der Vorwoche einen zehntägigen Stopp der Zwangsversteigerung verfügt. Daraufhin hatte ein westliches Bankenkonsortium einen Kredit für Gasprom von zehn Milliarden Euro widerrufen. Die Anwälte des Yukos-Mehrheitseigentümers Menatep haben ihre Entschlossenheit bekräftigt, nach Identifizierung des Käufers gegen diesen vor US- und europäischen Gerichten vorzugehen und gegebenenfalls Öllieferungen zu beschlagnahmen. Ein Kreml-Beamter hat im Gespräch mit dem Wirtschaftsblatt Vedomosti das Ganze aber als lächerlich abgetan. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.12.2004)

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