Letzter Protest in der Sensengasse

15. Februar 2006, 12:14
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Auf dem Universitätssportplatz wurde mit der umstrittenen Verbauung begonnen - Als erstes wird das "Haus der Forschung" errichtet

Wien - Ein strahlender Wintertag, Vizekanzler Hubert Gorbach schwärmt vorausblickend "diese Woche beginnt hervorragend", Minister Martin Bartenstein lobt zurückblickend "Es war ein gutes Jahr für die österreichische Forschung" - und dennoch ist die Stimmung eine getrübte. Die geplante Verbauung des Bundessportplatzes in der Sensengasse geriet zum Musterbeispiel für mehrfach missglückte Bürgerbeteiligung. Am 20. Dezember standen Bürger des Bezirkes vor der Spaten stechenden Festgemeinschaft und forderten "Auch wir wollen vom Widmungsgewinn profitieren" und "Nutzung des Grünareals für alle Menschen am Alsergrund".

Zweimal hatte man die neue Flächenwidmung von der Tagesordnung des Gemeinderats nehmen müssen. Dann war lange mit der Lokalen Agenda-21 Gruppe diskutiert worden. Auch wenn Vizebürgermeister Sepp Rieder das Projekt nun als "Ausdruck der direktdemokratischen Sensibilität" sieht; zum Baubeginn vom "Haus der Forschung" des Bundes gab es trotzdem wieder Protest.

Noch keine Sporthalle

Der Grund: "Es hatte immer geheißen, man müsse das Grundstück verwerten, um im Gegenzug auch die Sport- und Freizeiteinrichtungen finanzieren zu können", erinnert Christa Schmid von der Agenda-Gruppe "Erholungsraum Sensengasse". "Jetzt wird gebaut - und auf einmal heißt es, es gebe keine Mittel für die Mehrzwecksporthalle." Der Sportplatz wiederum wird zwar auf einer Garage gebaut - hier wird eine Öffnung für die Allgemeinheit gefordert.

Seitens der Bundes Immobilien Gesellschaft (BIG) heißt es durchaus, dass dieses Gesamtpaket geplant sei - nur seien die Mittel für die Sporthalle eben noch nicht zugesichert. Was den Sportplatz betrifft, sei der bis 15 Uhr durch Schulen und Vereine belegt, da könne man gar nicht öffnen. Über alles andere sollen noch Gespräche geführt werden.

Das Forschungsdach

Das erste Projekt, das nun umgesetzt wird, ist das "Dach der Forschung", das bis April 2006 errichtet werden soll. Hier sollen unter einem bildlichen und physischen Dach die wichtigsten Förderungseinrichtungen einziehen. Laut BIG seien dies der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), Christian Doppler-Labors, der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), das Wiener Büro von Joanneum Research und möglicherweise auch die Austrian Cooperative Research (ACR). Mit letzterer Institution gebe es noch Gespräche.

Dieses Gebäude wird an der Ecke Sensengasse/Spitalgasse errichtet, wird 7000 Quadratmeter Nutzfläche haben und wurde von den Wiener Architektenteams Neumann und Partner sowie Mascha und Seethaler geplant. Als Gesamtinvestitionskosten sind 14 Millionen Euro vorgesehen.

Weiter hinten, zur Währingerstraße hin, sollen noch Wohnungen errichtet werden - mit deren Baubeginn wird noch bis zur Zusage der Wohnbauförderung abgewartet. Die rund 100 Wohnungen sollen dann von der Bauvereinigung Wienerheim errichtet werden.

Kritik am Gesamtprojekt kam auch vonseiten der Grünen: "Vom großen zentralen Grünareal mitten im Zentrum des Alsergrunds bleibt lediglich ein öffentlicher Durchgang und ein paar begrünte Wände." (Roman David-Freihsl, Der Standard, Printausgabe, 21.12.2004)

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    foto: big
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