Merkel hält trotz "Fehlers" an Meyer fest

21. Dezember 2004, 16:08
3 Postings

Der wegen seiner Mehrfacheinkünfte heftig kritisierte CDU-Generalsekretär Meyer bleibt - Mit Kommentar

Seine Auftritte in Berlin gerieten für CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer am Montag zum Spießrutenlauf. Sobald er sich dem Büro von CDU-Chefin Angela Merkel näherte, verfolgten ihn Kameras. Aber Meyer wollte wie in den vergangenen Tagen nichts sagen, sondern gab am späten Nachmittag wieder einmal eine schriftliche Erklärung heraus.

Darin gestand Meyer die Annahme einer weiteren Zahlung des Energiekonzerns RWE ein. Diesmal ging es um die Abfertigung in Höhe von 250.000 Mark (rund 125.000 Euro). Meyer räumte ein, in den Jahren 1999 und 2000 eine Abfertigung vom Arbeitgeber VEW, der mit RWE fusioniert hatte, erhalten und sie nach Rückkehr zum Konzern nicht zurückgezahlt zu haben. Er kündigte an, einen Teil der Summe den SOS-Kinderdörfern zu spenden. Er selbst nannte die Summe von insgesamt 127.822 Euro.

Gleichzeitig beteuerte er, alles sei "rechtlich korrekt" gewesen. "Dennoch ist mir mit Blick auf die Probleme vieler Menschen in diesen Tagen bewusst, dass nicht verstanden wird, dass ich seinerzeit dieses Geld angenommen habe, obwohl ich ins Unternehmen zurückgegangen bin."

Die Abfertigung hat Meyer nach eigenen Angaben im Mai 2000 und damit vor seinem Antritt in Berlin als CDU-Generalsekretär im November 2000 angenommen. Aber bis April 2001 hat er eingestandenermaßen auch als CDU-Generalsekretär noch sechs Monate lang ein Gehalt von RWE, anteilig Weihnachts- und Gewinnbeteiligungen sowie Gas und Strom zum Mitarbeitertarif bezogen - im Ausmaß von insgesamt rund 60.000 Euro. Was es mit den 66.500 Euro auf sich hat, die Meyer zusätzlich zwischen Juni 2000 und April 2001 von RWE bekommen haben soll, konnte am Montag noch nicht geklärt werden. Die RWE-Innenrevision prüft noch.

Drei Jobs gleichzeitig

Obwohl er als Generalsekretär in Berlin beruflich gefordert war und, wie Meyer nun angibt, auch für RWE gearbeitet hat, bezog er bis 2002 auch seine Diäten als Landtagsabgeordneter von Nordrhein-Westfalen. Dass er sich im Düsseldorf nicht häufig blicken ließ, ist angesichts seiner Arbeitsbelastung klar.

CDU-Chefin Merkel ließ sich von Meyer am Montag Bankauszüge vorlegen, dann gab sie selbst eine Erklärung für ihren Generalsekretär ab: "In Abwägung eines Fehlers und der vierjährigen guten Zusammenarbeit, bin ich zur Ansicht gelangt, dass Laurenz Meyer seine Arbeit fortsetzen kann." Merkel und Meyer müssen sich nun auf einen Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen einrichten. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2004)

Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin

Kommentar

Bewährungsprobe für Merkel

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Taten statt Worte verlangte CDU-Chefin Merkel von ihrem General-sekretär: Meyer solle seine Doppel-gehälter stiften.

Share if you care.