EU / RAUSCHER

20. Dezember 2004, 17:51
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<$30> ---- 1 Hauptzeile(n) 40p ---- 9 Vorspannzeile(n) 11p ---- <$0>Hürden vor dem Zieleinlauf<$30> Zu 89% gefüllt <$0> <$30> **** 9 X Vorspann in 11 punkt **** <$0>Zwischen Überdruss, Panikmache und Euphorie: das Finale des EU-Gipfels aus der Sicht eines deutschtürkischen Schriftstellers, der sich gerade in Ankara aufgehalten hat. <$30> ---- Textbeginn ---- 1. Spalte <$16>Feridun Zaimoglu* <$30> <$0>m Vorabend des 17.De zember sind die Mode ratoren der türkischen Fernsehsendern in Jubelstim mung: Es könne nicht anders sein, als dass man beim histo rischen Gipfel der Türkei die Tür ins Haus der Kulturen auf reißt. Wir sind der ewige An wärter, heißt es, ein viel ver sprechendes Talent reift schließlich auch zum ganzen Könner. Man muss dieser Ta ge überhaupt die pathetischen Gesten und Volksansprachen der Medien - und vor allem die des Ministerpräsidenten Erdogan - in Klartext überset zen. Die Zeit ist um. Eine neue Ära beginnt. Wir sind vorbe reitet. Es gibt kein Zurück. Wir müssen uns ändern. In fünf Schritten will man die sieben Meilen überwin den, und am Ende dieser Stre cke wird man "die große Ver wandlung" vollzogen haben. Für einen Außenstehenden mutet es sehr exotisch an, wenn während der Politsen dungen die Europahymne als Hintergrundmusik erklingt, eine ganze Stunde lang. Oder Erstklassler nach ihrer Mei nung zur "Aufnahmetüchtig keit" der Türkei in die EU be fragt werden. Wenn allerdings Kindermund Wahrheit kund tut, wird das Kind sofort eines Besseren belehrt: Nein, die Er wachsenen würden bestimmt nicht übertreiben, in dieser Schicksalsfrage gebe es kein Zittern und Zögern. Immer dann, wenn das me diale Fieber zu sinken droht, wird Erdogan, der erste Mann des Staates, eingeblendet. Man sieht ihn auf der obersten Treppenstufe vor der Fassade eines neogotischen Palastes stehen und Hände schütteln. Er ergreift die ihm entgegenge streckten Hände von Schrö der, Chirac und Blair, er badet im Blitzlichtgewitter, und mit seiner Körpergröße von fast zwei Metern überragt er (bei nahe) alle Staatsmänner Euro pas. Man muss diese Bilder ei gentlich nicht übersetzen, und doch sitzt immer ein "Ex perte" im Studio und erklärt den Türken die Welt: Unser <$30> 2. Spalte <$0>Mann in Europa ist den Polit größen mindestens ebenbür tig, man heißt ihn willkom men und begegnet ihm auf gleicher Augenhöhe. Nichts geht mehr ohne Er dogan, und er tut den aufge putschten Medien den Gefal len und füttert sie mit dem ty pisch türkischen Pathos: Europa soll die erste Adres se für die Versöhnung der Zi vilisation sein - ohne die Tür kei ist es aber nur der Klub der Selbstgerechten. An die Adresse der Europäer geht auch seine Mahnung, sein Land erwarte weder Rabatt noch eine Preiserhöhung - es wolle genau die Summe auf dem Preisschild bezahlen. Er sei nicht gewillt, über neue Hürden zu springen, der Lang streckenlauf müsse sich nach 41 Jahren endlich lohnen. <$9>Kulturkrieger <$30> <$0>Spätestens jetzt, nach Tagen der Dauerbeschallung, wird man nicht etwa der Sache überdrüssig, der Furor der Schlachtenlenker in den Me dien zeigt Wirkung. Haben die Türken die Krönungszeremo nie nicht verdient? Soll man ihnen die unverfälschte Lust an Europa übel nehmen? Dann fallen einem die Kulturkrieger ein, die noch zu dieser Stunde den historischen türkischen Feind heraufbeschwören, oder aber von der territorialen Überdehnung des Europa-Im periums schwätzen. Ein Euro pa mit den Außengrenzen zu Syrien, Iran und dem Irak kön ne nicht anders, als in nationa le Stücke zu zerreißen. Besonders die ewig kultur-<> nostalgischen Kreise im deutschsprachigen Raum ha ben Stimmung gegen einen westöstlichen Beitrittskandi daten gemacht, und es ent stand der Eindruck, man wolle geradezu einen Schurkenstaat integrieren. Darüber ist man in der Türkei erstaunlicher weise gut unterrichtet. Der Vorschlag, mit den Türken eine privilegierte Partner schaft zu versuchen, kam <$30> 3. Spalte <$0>wirklich nicht gut an. Wir be sprechen keine raffinierte Stellung im Bett, war zu hö ren, wir wollen es nicht als Bettgenossen zur Meister schaft bringen. Selbstverständlich hält manch ein türkischer Hinter bänkler seine Zeit für gekom men, um im Glanze des Mil^ len^niumsprojekts bella figura zu machen. Die Türkei sei ab sofort das Schaufenster des Westens, und der Türke müs se sich ab sofort zum gläser nen Bürger für die Europäer wandeln. Wer übertreibt, ge winnt, ist die Losung, und die höchsten Politiker versichern dem Volk, dass es im Falle ei ner "Komplikation" einen Plan gebe. Am Tage der Entscheidung verheißen die auflagenstärks ten Zeitungen den Türken ein neues Leben, die Visionäre rüsten zum letzten Gefecht. Doch dann platzt die Nach richt von der üblen Überra schung in der letzten Minute wie eine Bombe: Die Europäer beharren auf der Anerken nung Griechisch-Zyperns, auf ergebnisoffenen Verhandlun gen. Der Oppositionsführer ver langt unter diesen Bedingun gen einen sofortigen Abbruch der Verhandlungen, Erdogan dürfe sich nicht über den Tisch ziehen lassen. Es kursie ren Gerüchte darüber, dass <$30> 4. Spalte <$0>der türkische Premier tatsäch lich den Verhandlungstisch verlassen habe und nur auf Bitten und Flehen Schröders zurückgekehrt sei. <$0>Die Euroskeptiker wähnen sich plötzlich im Aufwind, warnen vor der Sozialerosion und dem Werteverfall, sollte aus dem Wahntraum Wirk lichkeit werden. Das böse Wort von der Einflussnahme macht die Runde, von Mani pulation hinter den Kulissen; in Brüssel werde die Kapitula tion auf dem Papier erzwun gen. Und das Volk? Die Men schen sind es leid, dass die Eu ropäer auf die Defizite und den geringen Reifungsgrad der Türkei verweisen. Bis vor Kur zem waren die Euro-Euphori ker in der Überzahl, nun aber kippt die Stimmung. Ernüch tert stellen die Türken fest, das sie vielleicht doch nicht den hohen Preis zu bezahlen bereit sind, den "das Abendland" von ihnen einfordert. Am Abend des 17.Dezem ber tritt Erdogan, nach tage langen zähen Verhandlungen, vor die Presse und erklärt "die stille Revolution der Türken" für noch lange nicht beendet. Seine Blut-, Schweiß- und Tränenrede kann nicht da^ rüber hinwegtäuschen, dass nun die kalten Techniker und die Paragrafendiplomaten auf den Plan treten. Eine Frage bleibt weiter of fen: Ist das christliche Abend land bereit, einen muslimi schen Giganten aufzuneh men? Manchmal sprengt die Ausnahme die Regel.<$4> <$30> <$0> <$30> <$4>*Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, 1964 in Bolu in der Türkei geboren, lebt seit dreißig Jahren in Deutsch land. Im Burg-Kasino am Schwarzenbergplatz wird er am 14. Jänner 2005, ab 20.00 Uhr aus seinem jüngsten Er zählband "12 Gramm Glück" lesen und mit <$10>Standard<$4>-Kul turressortleiter Claus Philipp diskutieren. Karten an den Bundestheater-Kassen oder unter www.burgtheater.at<$0> <$30> !!!!! ARTIKEL-ENDE !!!! ----- Artikel paßt ----- <$0>

 

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<$0>Hürden vor dem Zieleinlauf<$30> Zu 89% gefüllt <$0>

<$30> **** 9 X Vorspann in 11 punkt ****

<$0>Zwischen Überdruss,

Panikmache und

Euphorie: das Finale

des EU-Gipfels aus der

Sicht eines

deutschtürkischen

Schriftstellers, der sich

gerade in Ankara

aufgehalten hat.

<$30> ---- Textbeginn ----

1. Spalte

<$16>Feridun Zaimoglu*

<$30> <$0>m Vorabend des 17.De

zember sind die Mode

ratoren der türkischen

Fernsehsendern in Jubelstim

mung: Es könne nicht anders

sein, als dass man beim histo

rischen Gipfel der Türkei die

Tür ins Haus der Kulturen auf

reißt. Wir sind der ewige An

wärter, heißt es, ein viel ver

sprechendes Talent reift

schließlich auch zum ganzen

Könner. Man muss dieser Ta

ge überhaupt die pathetischen

Gesten und Volksansprachen

der Medien – und vor allem

die des Ministerpräsidenten

Erdogan – in Klartext überset

zen. Die Zeit ist um. Eine neue

Ära beginnt. Wir sind vorbe

reitet. Es gibt kein Zurück. Wir

müssen uns ändern.

In fünf Schritten will man

die sieben Meilen überwin

den, und am Ende dieser Stre

cke wird man „die große Ver

wandlung“ vollzogen haben.

Für einen Außenstehenden

mutet es sehr exotisch an,

wenn während der Politsen

dungen die Europahymne als

Hintergrundmusik erklingt,

eine ganze Stunde lang. Oder

Erstklassler nach ihrer Mei

nung zur „Aufnahmetüchtig

keit“ der Türkei in die EU be

fragt werden. Wenn allerdings

Kindermund Wahrheit kund

tut, wird das Kind sofort eines

Besseren belehrt: Nein, die Er

wachsenen würden bestimmt

nicht übertreiben, in dieser

Schicksalsfrage gebe es kein

Zittern und Zögern.

Immer dann, wenn das me

diale Fieber zu sinken droht,

wird Erdogan, der erste Mann

des Staates, eingeblendet.

Man sieht ihn auf der obersten

Treppenstufe vor der Fassade

eines neogotischen Palastes

stehen und Hände schütteln.

Er ergreift die ihm entgegenge

streckten Hände von Schrö

der, Chirac und Blair, er badet

im Blitzlichtgewitter, und mit

seiner Körpergröße von fast

zwei Metern überragt er (bei

nahe) alle Staatsmänner Euro

pas. Man muss diese Bilder ei

gentlich nicht übersetzen,

und doch sitzt immer ein „Ex

perte“ im Studio und erklärt

den Türken die Welt: Unser

<$30> 2. Spalte

<$0>Mann in Europa ist den Polit

größen mindestens ebenbür

tig, man heißt ihn willkom

men und begegnet ihm auf

gleicher Augenhöhe.

Nichts geht mehr ohne Er

dogan, und er tut den aufge

putschten Medien den Gefal

len und füttert sie mit dem ty

pisch türkischen Pathos:

Europa soll die erste Adres

se für die Versöhnung der Zi

vilisation sein – ohne die Tür

kei ist es aber nur der Klub der

Selbstgerechten. An die

Adresse der Europäer geht

auch seine Mahnung, sein

Land erwarte weder Rabatt

noch eine Preiserhöhung – es

wolle genau die Summe auf

dem Preisschild bezahlen. Er

sei nicht gewillt, über neue

Hürden zu springen, der Lang

streckenlauf müsse sich nach

41 Jahren endlich lohnen.

<$9>Kulturkrieger

<$30> <$0>Spätestens jetzt, nach Tagen

der Dauerbeschallung, wird

man nicht etwa der Sache

überdrüssig, der Furor der

Schlachtenlenker in den Me

dien zeigt Wirkung. Haben die

Türken die Krönungszeremo

nie nicht verdient? Soll man

ihnen die unverfälschte Lust

an Europa übel nehmen? Dann

fallen einem die Kulturkrieger

ein, die noch zu dieser Stunde

den historischen türkischen

Feind heraufbeschwören,

oder aber von der territorialen

Überdehnung des Europa-Im

periums schwätzen. Ein Euro

pa mit den Außengrenzen zu

Syrien, Iran und dem Irak kön

ne nicht anders, als in nationa

le Stücke zu zerreißen.

Besonders die ewig kultur-<>

nostalgischen Kreise im

deutschsprachigen Raum ha

ben Stimmung gegen einen

westöstlichen Beitrittskandi

daten gemacht, und es ent

stand der Eindruck, man wolle

geradezu einen Schurkenstaat

integrieren. Darüber ist man

in der Türkei erstaunlicher

weise gut unterrichtet. Der

Vorschlag, mit den Türken

eine privilegierte Partner

schaft zu versuchen, kam

<$30> 3. Spalte

<$0>wirklich nicht gut an. Wir be

sprechen keine raffinierte

Stellung im Bett, war zu hö

ren, wir wollen es nicht als

Bettgenossen zur Meister

schaft bringen.

Selbstverständlich hält

manch ein türkischer Hinter

bänkler seine Zeit für gekom

men, um im Glanze des Mil^

len^niumsprojekts bella figura

zu machen. Die Türkei sei ab

sofort das Schaufenster des

Westens, und der Türke müs

se sich ab sofort zum gläser

nen Bürger für die Europäer

wandeln. Wer übertreibt, ge

winnt, ist die Losung, und die

höchsten Politiker versichern

dem Volk, dass es im Falle ei

ner „Komplikation“ einen

Plan gebe.

Am Tage der Entscheidung

verheißen die auflagenstärks

ten Zeitungen den Türken ein

neues Leben, die Visionäre

rüsten zum letzten Gefecht.

Doch dann platzt die Nach

richt von der üblen Überra

schung in der letzten Minute

wie eine Bombe: Die Europäer

beharren auf der Anerken

nung Griechisch-Zyperns, auf

ergebnisoffenen Verhandlun

gen.

Der Oppositionsführer ver

langt unter diesen Bedingun

gen einen sofortigen Abbruch

der Verhandlungen, Erdogan

dürfe sich nicht über den

Tisch ziehen lassen. Es kursie

ren Gerüchte darüber, dass

<$30> 4. Spalte

<$0>der türkische Premier tatsäch

lich den Verhandlungstisch

verlassen habe und nur auf

Bitten und Flehen Schröders

zurückgekehrt sei.

<$0>Die Euroskeptiker wähnen

sich plötzlich im Aufwind,

warnen vor der Sozialerosion

und dem Werteverfall, sollte

aus dem Wahntraum Wirk

lichkeit werden. Das böse

Wort von der Einflussnahme

macht die Runde, von Mani

pulation hinter den Kulissen;

in Brüssel werde die Kapitula

tion auf dem Papier erzwun

gen. Und das Volk? Die Men

schen sind es leid, dass die Eu

ropäer auf die Defizite und

den geringen Reifungsgrad der

Türkei verweisen. Bis vor Kur

zem waren die Euro-Euphori

ker in der Überzahl, nun aber

kippt die Stimmung. Ernüch

tert stellen die Türken fest, das

sie vielleicht doch nicht den

hohen Preis zu bezahlen bereit

sind, den „das Abendland“

von ihnen einfordert.

Am Abend des 17.Dezem

ber tritt Erdogan, nach tage

langen zähen Verhandlungen,

vor die Presse und erklärt „die

stille Revolution der Türken“

für noch lange nicht beendet.

Seine Blut-, Schweiß- und

Tränenrede kann nicht da^

rüber hinwegtäuschen, dass

nun die kalten Techniker und

die Paragrafendiplomaten auf

den Plan treten.

Eine Frage bleibt weiter of

fen: Ist das christliche Abend

land bereit, einen muslimi

schen Giganten aufzuneh

men? Manchmal sprengt die

Ausnahme die Regel.<$4>

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<$30> <$4>*Der Schriftsteller Feridun

Zaimoglu, 1964 in Bolu in

der Türkei geboren, lebt seit

dreißig Jahren in Deutsch

land. Im Burg-Kasino am

Schwarzenbergplatz wird er

am 14. Jänner 2005, ab 20.00

Uhr aus seinem jüngsten Er

zählband „12 Gramm Glück“

lesen und mit <$10>Standard<$4>-Kul

turressortleiter Claus Philipp

diskutieren. Karten an den

Bundestheater-Kassen oder

unter www.burgtheater.at<$0>

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RAUSCHERKOLUMNE

<$30> ---- 1 Dachzeile(n) 11p ---- 2 Hauptzeile(n) 27p ---- <$0>HANS RAUSCHER<$30> Zu 51% gefüllt <$0> Europas wahres<$30> Zu 78% gefüllt <$0> Glaubensbekenntnis<$30> Zu 99% gefüllt <$0> <$30> ---- Textbeginn ---- 1. Spalte <$0>enn der Beitritt der Türkei zur EU nicht zustande kommt, dann nicht wegen eines Referendums, das das tapfere kleine Österreich in zehn oder fünfzehn Jahren unter einem Bundeskanzler Schüssel abhält (er selbst hat im ORF-Interview ange deutet, dass es ihn dann durchaus noch geben kann; man sollte das ernst neh men). Der Beitritt der Tür kei kann nur an der Türkei selbst scheitern. Sei es wegen dramatischer poli tischer Umwäl zungen, sei es we gen der Erkenntnis der türkischen Eli ten, dass in der­ EU anders gedacht und gehandelt wird, als der türki sche Nationalstolz es zulässt. Dieser National stolz ist in Europa vage be kannt, aber nicht in seinen kräftigeren Ausprägungen. Eine Ahnung davon be kommt man bei genauerer Lektüre der verschiedenen, teils spontanen Äußerun gen des türkischen Pre miers Erdogan: "Sind Ihnen 600.000 Zyperngriechen wichtiger als 70 Millionen Türken?", fragte er in der Brüsseler Verhandlungs nacht den niederländi schen Ratspräsidenten Bal kenende, der darauf drang, das potenzielle EU-Mit glied Türkei möge doch bit te das Mitglied Zypern di plomatisch anerkennen. Etwas früher meinte Er dogan, die EU könne nur durch die Türkei zu einem internationalen Machtfak tor werden. Weil die Türkei die größte, wenn auch nicht die bestgerüstete Armee hat? Weil die EU eine aktive Sicherheitspolitik auch mit bewaffneten Interventio nen nur mithilfe dieser Ar mee betreiben könnte? Irgendetwas klingt hier arg martialisch-gestrig. Die Europäische Union wird zwar eines Tages halbwegs schlagkräftige Truppen ha ben, sie notfalls auch ein setzen, aber (hoffentlich) nur, um eigene Bürger zu schützen und Massaker in den dunkleren Winkeln des Einzugsbereichs (etwa in der Zone Albanien/Koso-­ vo/Serbien/Mazedonien) zu verhindern. <$30> 2. Spalte <$0>Ansonsten ist die EU eine "soft power", deren Stärke im Verhandeln, im Kom promiss, in den materiellen Anreizen, und vor allem in der Anziehungskraft des ei genen Modells als Zone des Friedens, des Wohlstandes und des Rechts liegt. Letzte res ist enorm wichtig. In der EU herrschen groß teils rechtsstaatliche Zu stände, und das macht ei nen Großteil ihrer Attrakti vität für jene Völker und Nationen aus, de^nen das jahr zehntelang vor enthalten wur de. Die <$4>Zeit <$0>schrieb von der EU als "Reich des Rechts": "Das gesamt^ europäische Glaubensbe kenntnis ist das Recht. Im Mittelalter mach ten Feudal-, Stadt- und Kir chenrecht den Unterschied zwischen Europa und den Despotien an seinen Rän dern aus. Die Trennung von Kirche und Staat, die Über nahme des römischen Rechts, die Verbreitung des französischen <$4>Code civil <$0>ha ben Europas Kern geprägt und nach außen abge grenzt." <$4>Rule of Law<$0> gegen Willkürherrschaft, das ist die eigentliche europäische "Religion". Wenn die Ukraine versucht, aus der Zone des autoritären Den kens, die von Putin errich tet und von der Mehrheit der Russen gutgeheißen wird, "nach Europa" zu ent kommen, dann ist das der beste Beweis für die wahren Stärken der EU (allerdings muss sehr bald sehr ent schieden etwas gegen die Zerstörung von Demokratie und Rechtsstaat in Italien durch Berlusconi getan werden). Im Fall Ukraine hat die EU durch Unterstüt zung der Opposition und klugen Einsatz von Außen minister Solana und Polens Präsident Kwasniewski ge zeigt, wie man solche Kon flikte behandelt. Nationalistisch-militäri sches Auftrumpfen, wie es bei so vielen türkischen Po litikern durchdringt, passt nicht zum neuen Europa. Auch das muss die Türkei lernen, wenn sie europä isch werden will. <$13>hans.rauscher@derStandard.at <$30> !!!!! ARTIKEL-ENDE !!!! ----- Artikel paßt ----- <$0>

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