Postbus-Streik noch diese Woche möglich

23. Dezember 2004, 16:54
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Aufregung um Verständigung betroffener Mitarbeiter noch vor Einigung mit der Gewerkschaft - Management weist Vorwürfe zurück

Wien - Der Betriebsrat der ÖBB Postbus AG droht mit einer neuerlichen Arbeitsniederlegung noch vor Weihnachten. Hintergrund ist ein Schreiben des Postbus-Managements von vergangenem Freitag an jene 408 Mitarbeiter, die von der bevorstehenden Teilprivatisierung betroffen sind. Darin informiert die Postbus-Führung die Mitarbeiter über einen Sozialplan, der mit der Gewerkschaft formell allerdings noch gar nicht ausverhandelt war.

"Menschenverachtende Vorgangsweise"

Die Verhandlungen über den Sozialplan könnten noch heute Abend abgeschlossen werden. Postbus-Betriebsratschef Robert Wurm fordert von der ÖBB-Führung jetzt aber auch personelle Konsequenzen wegen der, wie er wörtlich meint, "menschenverachtenden Vorgangsweise". Das Postbus-Managements habe die betroffenen Mitarbeiter kurz vor Weihnachten "schwer verunsichert" und damit bestehende Vereinbarungen einseitig gebrochen, kritisierte Wurm.

Am Mittwoch dieser Woche will der Betriebsrat über die weitere Vorgangsweise beraten. Betriebsversammlungen noch am Donnerstag, dem 23. Dezember, schließt die Arbeitnehmervertretung nicht aus.

Management weist Vorwürfe zurück

Das Management der ÖBB Postbus AG weist die Vorwürfe des Betriebsrat zurück, wonach die Mitarbeiter noch vor Abschluss der Verhandlungen mit der Gewerkschaft über einen Sozialplan für die geplante Teilprivatisierung informiert worden seien. Die Information habe nicht der Verunsicherung sondern im Gegenteil vielmehr der Aufklärung der betroffenen 408 Mitarbeiter gedient, betonte Postbus-Personalleiter Andre Alvarado-Dupuy im Gespräch mit der APA.

Man habe den Mitarbeitern "die Angst nehmen wollen, dass durch den Teilverkauf die Welt zusammenbricht". Der noch offene Sozialplan sei in dem Schreiben kein Thema gewesen. Vielmehr sei es darum gegangen, den Mitarbeitern zu erklären, was auch ohne Sozialplan bereits gesichert sei. "Das hätten wir schon vor Monaten tun sollen", erklärte Alvarado.

"Unglückliche zeitliche Koinzidenz"

Dass die Verhandlungen mit der Gewerkschaft noch im Laufen seien, sei ein "unglückliche zeitliche Koinzidenz". Da mit den Kaufinteressenten aber bereits die Termine für die Betriebsbesichtigungen vereinbart worden seien, sei es "dringend notwendig gewesen, den Mitarbeitern etwas zu sagen".

Die Proteste des Betriebsrat wertet Alvarado als reines "Politikum". Hintergrund sei "nicht die arbeitsrechtliche Diskussion", sondern der Protest der Gewerkschaft gegen die Teilprivatisierung an sich. Die Verhandlungen über den Sozialplan könnten "bei gutem Willen" noch heute abgeschlossen werden, so der Postbus-Personalleiter. (APA)

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