Serbien: Soziale Unzufriedenheit wächst

21. Dezember 2004, 16:14
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Umfrage: Äußerst niedrige Unterstützung für Kostunica-Regierung - 40 Prozent zu Protest bereit

Belgrad - Die soziale Unzufriedenheit in Serbien wächst weiter. Der Leiter des Belgrader Zentrums für Alternativforschung, Milan Nikolic, warnte bei einem Mediengespräch am Montag, dass sogar 40 Prozent der Bürger Serbiens inzwischen zu Straßenprotesten bereit seien. Unter dem Regime von Ex-Präsident Slobodan Milosevic habe sich dieser Anteil auf höchstens 26 Prozent belaufen. "Der Lebensstandard macht gegenwärtig gerade die Hälfte jenes aus dem Jahr 1989 aus. Die Situation bessert sich nicht", sagte Nikolic.

Durch bestimmte Fortschritte würden zu kleine Bevölkerungsgruppen erfasst. Nikolic warf der Regierung vor, eine Stabilitäts- anstelle einer Entwicklungspolitik zu führen. Dies sei auch der Grund dafür, dass die Regierung von Ministerpräsident Vojislav Kostunica nur noch von weniger als 20 Prozent der Bürger unterstützt werde.

Nationalistische SRS in Führung

Andere Meinungsumfragen sehen eine noch geringere Unterstützung für das Kostunica-Kabinett. Der Leiter der Meinungsforschungsagentur Strategic Marketing, Srdjan Bogosavljevic, erklärte gegenüber dem Belgrader Sender B-92, dass die Unterstützung für die Regierung unter zehn Prozent liege.

Laut Strategic Marketing verbuchte die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) im November einen weiteren Popularitätsanstieg. Die Partei von Vojislav Seselj, die von 23 Prozent der Bürger Serbiens unterstützt werde, liegt demnach vor der Demokratischen Partei (DS) des serbischen Präsidenten Boris Tadic in Führung. Die DS würden derzeit 18 Prozent der Bürger Serbiens wählen. Die Regierungsparteien sind in den meisten Umfragen weit abgeschlagen.

Popularitätsschub

Belgrader Analytiker äußern die Meinung, dass die SRS einen weiteren Popularitätsschub erhielte, wenn sie sich von Parteichef Seselj trennen würde. Seselj befindet sich seit knapp zwei Jahren im Gefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals in den Niederlanden. Wann der Prozess in Den Haag beginnt, steht noch nicht fest. (APA)

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