Chodorkowski-Anwalt kritisiert Schröder

29. Dezember 2004, 10:34
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Baldiges Treffen des deutschen Bundeskanzlers mit Putin sei "jenseits von Gut und Böse" - "Kanzler unterstützt die Enteignung von Yukos"

Hamburg - Der Anwalt des Yukos-Eigentümers Michail Chodorkowski, Robert Amsterdam, hat der deutschen Bundesregierung Komplizenschaft mit Russland im Zusammenhang mit der Zerschlagung der Ölfirma Yukos vorgeworfen. Es sei "jenseits von Gut und Böse", dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den russischen Staatschef Wladimir Putin nur einen Tag nach der Versteigerung der Yukos-Besitztümer treffe.

"Der einzige Grund für diese Bereitschaft kann nur sein, dass es eine formale Verständigung zwischen den beiden politischen Führern geben muss", sagte der Anwalt. Deutschland habe die Rechtsstaatlichkeit gegen eine sichere Energieversorgung eingetauscht, erklärte Amsterdam am Montag in Hamburg kurz vor dem Eintreffen Putins. Der Grund dafür, dass Schröder und Putin bei dem Besuch nicht über Yukos sprechen wollten, sei die Tatsache, dass sie es bereits getan hätten.

"Kanzler unterstützt die Enteignung von Yukos"

"Der Kanzler unterstützt die Enteignung von Yukos", sagte Amsterdam und fügte hinzu, Schröder dürfe nicht länger schweigen. Er kündigte Gespräche mit deutschen Anwälten über das Thema an. "Die deutsche Rechtsgeschichte hat viele Vorbilder, die bei diesem Fall zu Rate gezogen werden können", sagte er.

Die bisher unbekannte Firma Baikalfinansgrup hatte am Sonntag überraschend den Zuschlag für die wichtigste Yukos-Tochter, Juganskneftegas, erhalten. Der eigentliche Favorit Gazprom hielt sich bei der Zwangsversteigerung zurück. Die Baikalfinansgrup sicherte sich die Aktienmehrheit an Juganskneftegas für umgerechnet 6,9 Mrd. Euro. Über den Sieger der Auktion ist so gut wie nichts bekannt. Amsterdam vermutete, dass es Verbindungen zu Gazprom oder dem russischen Staat gebe.

Chodorkowski: "Halsabschneiderische Methoden"

Der inhaftierte frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski hat den russischen Behörden vorgeworfen, die Zwangsversteigerung der Kernproduktion des Ölkonzerns im Stile der in den 90-er Jahren üblichen halsabschneiderischen Methoden vorgenommen zu haben. Damit waren damals er selbst und andere Oligarchen reich geworden. "Die Behörden haben sich selbst ein wunderschönes Weihnachtsgeschäft gemacht", kommentierte Chodorkowski laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax vom Montag die Zwangsversteigerung, bei der am Sonntag die völlig unbekannte Firma BaikalFinansGroup den Zuschlag erhalten hatte. (APA/AP)

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