Katholische "Anti-Kultur"

21. Dezember 2004, 07:00
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Zitrone für die Angriffe auf die menschliche Selbstbestimmung von Kirchen-Vertretern

Rechtzeitig zu Weihnachten, mit der Geburt Jesu als Fest der Liebe und der Versöhnung verstanden, erinnert die katholische Kirche an eben diese Werte. So hat ihr Oberhaupt, Papst Johannes Paul II., am Sonntag dazu aufgerufen, "sich selbst - ob durch Freundschaft oder wahre Zuneigung, brüderliche Hilfe oder Vergebung" zu schenken. Auch andere katholische Vertreter haben in den vergangenen Tagen den Wert des menschlichen Lebens und vor allem der Familie als Keimzelle der Gesellschaft betont.

Werte

Eine Auswahl: Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer unterstrich den Wert des menschlichen Lebens in der Tiroler Zeitschrift "Echo" gerade hinsichtlich Fragen der Abtreibung, der Embryonenforschung und der Sterbehilfe. Angesprochen auf den christlichen "Abwehrkampf" in Europa etwa gegen Ehescheidung, Abtreibung oder die Homosexuellen-Ehe betonte Bischof Kapellari in einem "profil"-Interview: "Als Christen müssen wir vor allem klar machen, wofür wir sind: für ein Leben in größtmöglicher Würde und Fülle". Daraus ergebe sich dann auch, wogegen aufgetreten werde.

Eine "christliche Koalition" namens "Pro Vita" will angesichts der Salzburger Abtreibungsdebatte überhaupt gleich "die Sache selbst in die Hand nehmen". "Unsere Kultur ist eine Anti-Kultur, geprägt von Gotteslästerung, Hässlichkeit und Dummheit", erklärte deren Sprecher Alfons Adam am Montag laut Kath-net. Ihr Ziel sei deshalb die Streichung von Steuergeldern für diese "Anti-Kultur" und die Umschichtung der Mittel für soziale und erzieherische Aufgaben. In Kroatien haben sich die Oberhäupter der sechs größten Religionsgemeinschaften zusammen geschlossen und sich in einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag gegen Schwangerschaftsabbruch und künstliche Befruchtung ausgesprochen.

"Kampf"

Ungewöhnlich klar und scharf drückte sich der 84-jährige Papst aber am Samstag aus. Das Kirchenoberhaupt verurteilte gleichgeschlechtliche Ehen als Angriff auf die Gesellschaftsstruktur und rief KatholikInnen zum "Kampf" gegen die "aggressiven Versuche, die Familie legal zu unterminieren" auf. Gleichzeitig verurteilte er Abtreibung, künstliche Befruchtung und gleiche Rechte für nichteheliche Beziehungen.

Kirchen-Vertreter melden sich in der Vorweihnachtszeit also verstärkt - und zunehmend radikaler - mit Angriffen auf die Selbstbestimmung und ein würdevolles und rechtlich gleichgestelltes Leben von Frauen und Männern. Vom "Fest der Liebe" und "brüderlicher Hilfe oder Vergebung" zeigt sich keine Spur. Dafür gibt's den Zitronenbaum ... und Barbara Coudenhove-Kalergis Weihnachtswunsch an die katholische Kirche ("ab sofort zehn Jahre Schweigen zu allem, was mit Sexualität und Fortpflanzung zu tun hat") gehört dringend umgesetzt!
(Daniela Yeoh)

21.12.2004
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    Aus Rom erschallt der päpstliche Ruf zum "Kampf" für die Familie.
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