Österreichs IT-Firmen fürchten Auslagerung in den Osten

29. Dezember 2004, 10:54
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Wichtig, Software im eigenen Land zu entwickeln

Die Standortsicherung für Software-Unternehmen war das beherrschende Thema des jährlichen Pressegespräches des Verbands der Österreichischen Software Industrie (VÖSI). EU-Erweiterung, Outsourcing in so genannte Billiglohnländer und die Dominanz der US-Firmen zeichnen ein bedrohliches Bild für Softwarehäuser in Österreich und der EU. Wachstum sowie neue Strukturen, um die Unternehmen für den Kapitalmarkt interessanter zu machen, sollen laut VÖSI die Software-Industrie wieder stärken.

"Wird diese Fähigkeit nicht an anspruchsvollen Aufgaben trainiert, geht sie verloren. "

Peter Kotauczek, Präsident des VÖSI, sieht in der Softwareentwicklung eine Kulturtechnik wie Lesen oder Schreiben. "Wird diese Fähigkeit nicht an anspruchsvollen Aufgaben trainiert, geht sie verloren. Daher ist es wichtig, Software im eigenen Land zu entwickeln.", führte er im Gespräch aus. Laut Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG, lässt sich der Lebensstandard in der EU erhöhen, wenn SW-Entwicklung sowie Forschung und Entwicklung "im Land" bleiben und nicht in die USA ausgelagert werden.

Kundenorientierter

"In Europa ist Software kundenorientierter als in den USA und an die speziellen Bedürfnisse angepasst", so Streibich weiter. "Die Kombination von vielen Standard-Komponenten zu einem hochkomplexen Ganzen, das ist das Betätigungsfeld der österreichischen Softwareszene", führte er im Gespräch mit Journalisten aus. Auch bei "e-Anwendungen" wie E-Commerce oder E-Government sowie der Integration der Informationstechnologie (IT) in die Geschäftsprozesse liegt, nach Ansicht von Hr. Streibich, Europa weit vor den USA.

Die heimische Softwareindustrie, so der Tenor, entwickle sich immer mehr zu Zulieferern an größere Firmen, die Vertrieb, Projektkoordination und Haftungsfragen übernehmen. So gut diese Struktur auch funktioniert, sie ist, so Peter Kotauczek, nicht kapitalmarktfähig. Wenn die europäische Software-Szene nicht neue Ideen, wie etwa eine Holding für Mittelbetriebe gleicher Thematik oder andere innovative Firmenstrukturen annehmen, befürchtet er, dass der Software-Industrie in Österreich und Europa nur mehr die Rolle des lokalen Dienstleisters für US-Unternehmen bleibt. (APA)

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