Grazer Schuldirektor vom Vorwurf der Untreue freigesprochen

21. Dezember 2004, 13:56
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57-Jähriger soll für 125-Jahr-Feier zu viel Geld ausgegeben haben - "Ermessenssache" - Urteil nicht rechtskräftig

Graz - Freigesprochen wurde am Montag jener Grazer Schuldirektor, dem laut Anklageschrift vorgeworfen worden war, bei einer Jubiläumsfeier für seine Schule "exorbitant hohe Kosten" verursacht zu haben, mit einem Schaden von mindestens 40.000 Euro. Der Angeklagte war sich keiner Schuld bewusst. Das Gericht (Vorsitz Michaela Lapanje) erklärte, dass es "Ermessenssache" sei, wie viel Geld ausgegeben werde. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin meldete Nichtigkeitsbeschwerde an.

Dem Grazer Schuldirektor wurde zur Last gelegt, für die 125-Jahr-Feier seiner Schule im Juni 2001 zu viel Geld ausgegeben zu haben. Bei dem Multimedia-Spektakel mit dem Titel "Traumtänzer" lie� es der seit fast drei Jahren suspendierte Pädagoge an nichts fehlen: Musikstücke wurden in Auftrag gegeben, Choreografien einstudiert, Schauspieler engagiert, ein Feuerwerk bestellt, eigene Münzen geprägt, ein riesiges Zelt aufgestellt.

Verbrechen der Untreue

Staatsanwältin Christin Amschl warf dem Schulleiter das Verbrechen der Untreue vor: "Sie haben diese Veranstaltung viel zu pompös inszeniert und den exorbitant hohen Betrag von 254.632 Euro ausgegeben. Es sollte wohl ein Denkmal gesetzt werden, ich frage mich nur, ob für die Schule oder den Direktor?"

Nach Angaben des Angeklagten waren alle Kosten mit den zuständigen Gremien abgesprochen. Die Feier wurde der Anklage zu Folge zur "Chefsache" erklärt und war "geheim". Das hätte zu "Missstimmigkeiten" gef�hrt. Im Februar 2002 wurde schlie�lich vom Landesschulrat Anzeige erstattet. "Es war ein Projekt für die Schüler", rechtfertigte sich der Angeklagte. Die ganze Aff�re soll von einem Widersacher des Direktors, der sich vergeblich um den Posten bemüht hatte, aufgedeckt worden sein.

"Chance für die Schule"

Warum er allerdings die Kosten für die Schauspieler als "Seminare" verbucht hatte, konnte er nicht wirklich erklären. Er hätte es als "Chance für die Schule" gesehen und nicht als "Selbstbeweihräucherung". Der 57-Jährige behauptete, keinen Schaden verursacht zu haben. Sein Verteidiger meinte im Plädoyer, dass "gewisse Ungeschicklichkeiten" keine Absicht gewesen seien.

Der Schuldirektor wurde in dem Prozess, der seit Oktober 2003 läuft, freigesprochen. Die Richterin erklärte nach der Urteilsverk�ndung, dass es keine Vorgaben für so eine Feier gebe. Es sei "Ermessenssache". "Wie soll ein Kunstschule feiern, damit es nicht in trivialen Peinlichkeiten endet? Da kann man nicht sparsam sein", so Lapanje. Es seien zwar buchhalterische Formfehler begangen worden, ein strafrechtlich relevanter Schaden sei zu verneinen. Das Urteil ist nicht rechtskr�ftig. (APA)

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