Erwin Prölls rasche Rochade in Niederösterreich

22. Dezember 2004, 17:35
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Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann wird Pröll-Vize - Quereinsteigerin Petra Bohuslav übernimmt Bereiche Soziales und Sport

Als Landeshauptmann-Stellvertreter ein Langbewährter, als Landesrätin eine Überraschung: Am Montag designierte Erwin Pröll Ernest Gabmann und Petra Bohuslav zu den Nachfolgern Liese Prokops. SP, Grüne und FP reagierten vorsichtig positiv.

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St. Pölten – Wichtig seien "Persönlichkeit, Profil und Qualifikation", meinte Landeshauptmann Erwin Pröll Montagmittag. Kurz davor hatte er den "einstimmigen Beschluss" des VP-Landesparteivorstandes verkündet: Ernest Gabmann, bisher Wirtschaftslandesrat und Petra Bohuslav, bisher Geschäftsführerin des Congress Casino Baden, treten die Nachfolge der zur Innenministerin avancierten Liese Prokop an.

Gabmann (55) – im Gegensatz zu seiner ÖAAB-nahen Vorgängerin Vertreter des Wirschaftsbundes – wird Landeshauptmannstellvertreter: Darüber sei er "froh und glücklich", betonte der seit 1992 als Landesregierungsmitglied tätige, gebürtige Waldviertler. In der Landes-VP ist er schon seit 1996 Stellvertreter von Parteichef Erwin Pröll.

"Politisches Gespür"

Die 39 Jahre alte Bohuslav – politisch bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt – folgt Prokop als Landesrätin für Soziales, Sport und Kultur nach.

Seit Pröll sie am vergangenen Donnerstag angerufen und ihr den Wechsel in die Politik angeboten habe, sei sie einem "Wechselbad der Gefühle" ausgesetzt gewesen, sagte sie vor Journalisten. Ihr Mentor streute ihr Rosen: Die Wahl-Niederösterreicherin ohne VP-Parteibuch sei ihm schon seit längerem durch "effiziente Arbeit" aufgefallen, erläuterte der Landeshauptmann: "Sie ist sensibel und hat ein politisches Gespür".

Wie Wolfgang Schüssel die Nachfolge Ernst Strassers hatte auch Pröll die landespolitische Rochade schneller durchgezogen als ursprünglich angekündigt. Noch am Sonntag war der sechste Jänner 2005 als Vorstellungstermin im Gespräch gewesen.

Nun wurde für Dienstag, den 21.12. ein Sonderlandtag einberufen, bei dem es auch zu Veränderungen der VP-Ressortverteilung kommen soll. Diese stünden im Detail noch nicht fest, sagte Pröll.

Dem Vernehmen nach soll die bis dato von Prokop verantwortete Wohnbauförderung in den Wirkungsbereich von Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka wechseln.

Sobotka wiederum soll die Raumordnung an Gabmann abgeben. Noch unentschieden ist, was mit den – wegen der Probleme Niederösterreichs bei der Nominierung von Natura 2000-Schutzgebieten – auch parteipolitisch umstrittenen Umweltagenden Sobotkas geschehen soll.

Angesichts dieser Unabwägbarkeiten fiel die Reaktion auf die Regierungsumbildung bei der SP, die mit der VP in Niederösterreich ein Arbeitsübereinkommen unterhält, zurückhaltend aus. Gabmann schätze sie als "erfahrenen Landespolitiker", wie sich Bohuslav in das Regierungsteam einfügen werde, sei noch abzuwarten, sagte SP-Landesvorsitzende und Landeshauptmannstellvertreterin Heidemaria Onodi. Die von vielen erwartete große VP-Landesregierungsumbildung sei hiermit "weiter hinausgeschoben" worden, ergänzte SP-Klubobmann Hannes Weninger.

Für die Grünen sprach Landtagsangeordnete Helga Krismer Bohuslav das Vertrauen aus. Die designierte Landesrätin sei ihr als "selbstbewusste, eifrige Frau" bekannt, wenn auch ihre Nominierung von der "dünnen Personaldecke der VP" zeuge.

Während Landtagsabgeordneter Thomas Ram für die FP Gabmann als "logischen Nachfolger" Prokops bezeichnete, meinte Krismer: "Das ist kein neues Signal". Vielmehr sei "Niederösterreich jetzt wieder fest in Männerhand". (DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2004)

von Irene Brickner
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