Wenn Brettln mitdenken lernen

27. Dezember 2004, 11:54
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Skifirmen und Technologieentwickler suchen die neuen Superprodukte der Zukunft

Dabei wird auch ein autarker Ski getestet, der über Sensoren Daten sammelt und so zu einem intelligenten System wird, das bei der richtigen Einstellung der Brettln hilft.

Gut gesättigte Märkte bedürfen neuer Appetitanreger, das ist bei Milchprodukten nicht anders als bei Skiern. Nach dem Hype der Carver ist die Branche wieder neuen Lustmachern auf der Spur. Die führt dahin, wo der Spaß zu Hause ist, und der muss nicht unbedingt auf präparierten Pisten liegen. Allroundski sind gefragt, die sowohl auf Schneeautobahnen als auch im Tiefschnee locker leichte Schwünge erlauben, und zwar nicht nur dem semiprofessionellen Pistenfreak. Generell werden den Carvern die Zähne gezogen, extreme Taillierungen sind out, die Skibreite hat zugenommen, und die Brettln werden auch wieder länger.

Dazu kommen spezielle Anpassungen an Zielgruppen. Jede Frau kann etwa heute schon auf ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Modell zugreifen. Komfort schlägt Sportlichkeit: "Drehfreudigkeit und Stabilität sind die beiden Kerngrößen, von denen wir ausgehen müssen. Da wird der beste Kompromiss gesucht", sagt Bernhard Riepler, Forschungschef von Atomic.

Die Zeit der extremen Radien, so Riepler, ist vorbei. Zur Hochzeit der Carver kam man nach Schwungansatz auf einen Radius von zehn bis elf Metern, "jetzt geht man wieder auf 14 bis 16 Meter zurück. Der Ski muss auch entsprechend anrutschbar sein, es bringt nichts, wenn er nur auf der Kante gefahren wird und kaum ein Reagieren auf unvorhergesehene Ereignisse erlaubt."

Display auf dem Ski

Es geht also auch um Sicherheit, die sich als Verkaufsargument ebenfalls gut eignet. In diese Richtung gehen auch die ersten Schritte zur elektronischen Bindung. Atomic hat ein Modell entwickelt, das durch zahlreiche Sensoren an Vorderbacken und Fersenautomat die Funktionstüchtigkeit der mechanischen Teile überprüft. Die Skifahrer werden via Display auf mögliche fehlerhafte Einstellungen hingewiesen. "Das hat aber nichts mit einer vollelektronischen Bindung zu tun, wie sie schon seit einigen Jahren angedacht ist." Das Electronic Binding Management soll laut Riepler dem Konsumenten im Großen und Ganzen nur zeigen, "ob er richtig eingestiegen ist".

Weiter gehende Entwicklungen, auch bei den Skiern selbst, erfordern umfangreiche Grundlagenforschung zum mechanischen Verhalten des Sportgerätes. Ein Beispiel ist das unter Federführung der Salzburg Research, der Forschungsgesellschaft des Landes Salzburg, entwickelte Projekt "ASKI - der autarke Ski", laut Salzburg-Research-Newsletter "Update" ist der wichtigste Wirtschaftspartner hier neuerlich Atomic. Ein intelligenter Ski, der sowohl Entwicklern als auch Fahrern bei der Einstellung helfen soll - ausgestattet mit Sensoren. Die benötigte elektrische Energie wird im Ski selbst generiert - zum Beispiel durch Bewegung. Erforscht wird eine optimale Ansteuerung der Sensoren bei begrenzten Energievorräten. Das Projekt war kürzlich in der Endausscheidung des im Rahmen des Technologieförderprogramms Fit-IT ausgeschriebenen Calls Embedded Systems.

Neben weiteren Unternehmen aus Österreich und Deutschland wird auch die Fachhochschule Salzburg, Studiengang Telekommunikationstechnik und -systeme, mitarbeiten. Die voraussichtliche Projektdauer beträgt zwei Jahre. (Sigi Lützow, Der Standard, Printausgabe, 20.12.2004)

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