"Tatort Wien" und "Mondgischt"

25. April 2005, 11:15
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Mörderische Frauen in Wien und ein Krimi in Westpoint Port

Wien ist voller mörderischer Frauen. Die erfindungsreichsten von ihnen sind nun im Sammelband "Tatort Wien" (Herausgegeben von Edith Kneifel, € 15,90, Milena Verlag, ISBN 3-85286-124-1) vereint. Achtzehn Kurzkrimis entfalten ein wunderbares und umfassendes Panorama weiblicher Rachsucht. Ob Sandlerin oder Köchin, schöne Schwester oder unterdrückte Büromaus, sie alle haben triftige Gründe, sich mit mehr oder weniger List aus unerträglichen Verhältnissen zu befreien. Die Autorinnen senden ein wahrhaft kräftiges Lebenszeichen der österreichischen Sisters in Crime. Und, das muss gesagt werden, an Raffinement übertreffen sie die meisten ihrer männlichen Kollegen, weil es ihnen nicht nur um das Wie, sondern ganz besonders um das Warum geht. Und das ist immer noch viel mitreißender als grobschlächtige Action, obwohl die Schreiberinnen auch da nicht zimperlich sind.

Mondgischt

Als eine Art Heimatroman über das Land und die Menschen von Westpoint Port entpuppt sich "Mondgischt" (€ 20,50, Mare Verlag, ISBN 3-936384-45-2) von Dawn Clifton Tripp. Die Autorin kennt diesen Küstenstreifen von Massachusetts gut, und ihre genauen Beobachtungen erwecken die Naturmagie dieser sehr speziellen Gegend mit ihren traditionellen Fischerdörfern, wo die Menschen vom Meer und vom Alkoholschmuggel leben. Wenn die Sommergäste im Herbst zurück in ihre Städte fliehen, erwacht die Küste wieder zu ihrem eigentlichen Leben. Das Schicksal dreier Frauen wird episodisch erzählt. Aber sosehr die Menschen auch in ihre ureigenste Konflikte verwickelt sind, wenn der große Seesturm kommt, macht der nicht nur Tabula rasa mit der Landschaft, sondern auch mit allem Menschenwerk. Ein wirklich ungewöhnlicher Text, die mikroskopische Schrift ist leider eine Zumutung. (i.s., DER STANDARD, Print, Album, 18./19.12.2004)

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