Daten ohne Ablaufdatum

27. Dezember 2004, 11:54
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Das Problem der Langzeitarchivierung digitaler Informationen beschäftigt die Forschung

Das kulturelle Erbe der Computergeneration: Weltweit wurden bereits Unmengen an Literatur, Musik oder wissenschaftlichen Studien auf Festplatten, CDs und DVDs gespeichert, auf die die Gesellschaft jederzeit zugreifen kann. Dabei stellt sich aber immer dringender die Frage des Ablaufdatums. Das ist nämlich bei elektronischen Speichermedien im Vergleich zu Büchern sehr kurz: Das Problem ist nicht allein die Haltbarkeit der Datenträger. Die rasante Entwicklung von Hard- und Software macht Maßnahmen wie Migration (Übertragung auf andere Datenträger) und Emulationen (von früheren Hardwaregenerationen auf aktuellen Rechnern) notwendig.

Die Wissenschaft wurde erstmals 1995 mit dem Artikel ,,Ensuring the Longevity of Digital Documents" von Jeff Rothenberg im Scientific American auf das Problem aufmerksam. Internationale Arbeitsgruppen zur Frage der Langzeitarchivierung digitaler Daten sind entstanden und suchen schon seit einiger Zeit nach Lösungen. In der Gruppe "Langzeitarchivierung digitaler Daten" sind unter anderem der FH Campus 02, das IT-Unternehmen XiCrypt und die Unibibliothek aus Graz sowie die Universitäten Linz, Innsbruck und die Initiative Austrian Literature Online vertreten. Die Humboldt Universität Berlin ist ebenfalls beteiligt. Der kalifornische IT-Riese Sun Microsystems ermöglicht den Forschern und Entwicklern Zugang zu neuen Technologien.

Laut FH Campus 02 geht es vor allem darum, die Objektformate so gut zu dokumentieren. Je komplexer die Informationen sind - Textfiles sind einfach, Animationen sind komplex -, desto schwieriger ist diese Aufgabe. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Softwareunternehmen keinen Zugriff auf die Beschreibung ihrer Programme und Formate zulassen.

Technologien für eine gemeinsame Haltung digitaler Medien würde es ja schon geben: In Zusammenarbeit mit der Koninklijke Bibliotheek (KB) der Niederlande entwickelte IBM eine spezifische Bibliothekslösung.

Sie hört auf den Namen DIAS (Digital Information Archiving System) und funktioniert auf Basis des so genannten OAIS-Modells (Reference Model for an Open Archival Information System gemäß ISO Standard) wodurch eine Langzeitarchivierung und ein offener Standard ermöglicht werden. (Der Standard, Printausgabe, 20.12.2004)

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