Weltweit 42 Kriege in diesem Jahr

20. Dezember 2004, 19:57
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Der Irakkrieg, obwohl laut USA schon beendet, ist nur der am meisten Aufsehen erregende - mit Infografik

Hamburg - Im Jahr 2004 wurden weltweit 42 Kriege und bewaffnete Konflikte geführt. Das ergeben jüngst publizierte Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (Akuf) der Universität Hamburg.

Damit hat sich diese Zahl gegenüber dem Vorjahr nicht verändert, allerdings wurden sieben kriegerische Konflikte beendet und ebenso viele neu begonnen. Hauptschauplätze waren Asien und Afrika sowie der Nahe und der Mittlere Osten mit insgesamt 39 Konflikten. Nur Europa, Nordamerika und Australien blieben von andauernden Kampfhandlungen verschont.

Mit diesen Studien bestätigt sich auch im Jahr 2004 die regional ungleiche Verteilung des weltweiten Kriegsgeschehens: Weit mehr als 90 Prozent aller Kriege seit 1945 fanden in der so genannten Dritten Welt statt. Dabei spielen der Kampf um die Macht im Staat und Sezessionsbestrebungen die Hauptrolle.

Medieneinflüsse Diese innerstaatlichen Konflikte dominieren das Kriegsgeschehen der vergangenen 50 Jahre. Zwischenstaatliche Auseinandersetzungen - wie zuletzt der 2003 von den USA mit ihren Verbündeten begonnene Irakkrieg und der bewaffnete Konflikt zwischen Indien und Pakistan - bilden längst schon die Ausnahme.

Typisch ist die Wahrnehmung der Konflikte, die vor allem durch die Medien gesteuert wird: Wie schon 2003 konzentrierte sich die öffentliche Aufmerksamkeit auch heuer hauptsächlich auf den Irakkrieg. "Die vielfach vorausgesagte Eskalation nach Ende der Hauptkampfhandlungen zwischen März und Mai 2003 hat sich im Jahr 2004 fortgesetzt", kommentieren dies die Autoren der Studie.

Dabei kämpfte eine Vielzahl von bewaffneten Gruppen gegen die Besatzungstruppen unter Führung der USA beziehungsweise gegen die irakische Übergangsregierung. Laut US-amerikanischer Darstellung herrscht aber offiziell kein Krieg mehr, seit Präsident George W. Bush im Mai 2003 die "größeren Kampfhandlungen" für beendet erklärt hat.

Als gravierendste humanitäre Krise weltweit weisen die Autoren der Akuf-Studie für das Jahr 2004 die Situation in der sudanesischen Region Darfour aus - und verbinden diese Feststellung mit einer Kritik: "International wurde vor allem diskutiert, inwieweit die Ermordungen und Vertreibungen der Bevölkerung in Darfour einen Völkermord darstellen. Umgekehrt proportional zu diesem schwer wiegenden Vorwurf steht das Vorgehen der internationalen Gemeinschaft, die sich bisher nicht auf ein Waffenembargo gegen die Kriegsparteien einigen konnte."

Die Daten der Akuf, ihre Kriegsdefinition (siehe Wissen) und ihre Kriegstypologie bilden heute im deutschen Sprachraum die am meisten verwendete empirische Grundlage einschlägiger Publikationen. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2004)

  • Infografik: Schauplätze kriegerischer Konflikte im Jahr 2004

    Infografik: Schauplätze kriegerischer Konflikte im Jahr 2004

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