Nicht lernfähig

8. Februar 2005, 16:08
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Sport sollte eigentlich zur Fairness erziehen und nicht für einen Gesetzesbruch missbraucht werden - Kommentar von Johann Skocek

Sport gehört zu den Zauberworten dieser ach so nüchternen Welt, wie Arbeitsplätze, Kunst und freier Markt. Man sagt Sport und kriegt beinahe alles. Einbürgerungen fürs Nationalteam ruck, zuck, wenn der Innenminister asylwerbende Familien im Winter auf die Straße schickt.

Neufassungen der Gebietswidmung von Ödflächen und Grüngebieten für Pferderennen und einarmige Banditen. 90 Millionen Euro Subvention für eine private Investition von 200 Millionen in eine Rennstrecke, wo zig Jahre die Steuerexklave Formel 1 zugunsten von Bernie Ecclestone herrschte.

Spielbergs Strecke liegt in einer armen Gegend, die jahrzehntelang für die Versäumnisse, Schlamperei und Fantasielosigkeit der steirischen Landespolitik buchstäblich mit ihrem Leben und ihrer Zukunft zahlte.

Das blöde Im-Kreis-Fahren (frei nach Niki Lauda) in einer Lärm-, Gestanks-und Abfallorgie war die einzige verbliebene Hoffnung. Mangels intelligenter, langfristiger Strukturpläne. Wie viel hundert Subventionsmillionen seit Jahrzehnten unter dem Spielberg-Schutt wohl modern?

Eigene Versäumnisse bei der Planung des Mateschitz-bitte-erlöse-uns-Projekts als Komplott gegen Graz zu deuten, wie Landeshauptmann Waltraud Klasnic das macht, ist der letzte Beweis, wie zynisch und gegen die Interessen der Menschen dort regiert und der Sport missbraucht wird.

Wie viele Arbeitsplätze hätte der Ausbau der Rennstrecke gebracht? Warum vertritt kein Politiker die Position der vom Umweltsenat beschützten Anrainer? In Sonntagsreden betonen die Politiker gerne die Rolle des Sports als Fairness-Lehrpfad. Dieser Tage benutzen sie ihn als Vorwand zum Gesetzesbruch. (DER STANDARD Printausgabe, 20.12.2004)

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