Frieden in Darfur nach erneuten Angriffen weiter ungewiss

20. Dezember 2004, 13:49
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Kämpfe in Darfur trotz Fristende - Khartum will Feuer einstellen

Khartum/Abuja - Die sudanesische Armee hat am Wochenende eine für Samstagabend vereinbarte Frist zur Feuereinstellung ignoriert und seine Angriffe in der Krisenregion Darfur fortgesetzt. Der Friedensprozess bleibt daher ungewiss. Die sudanesische Regierung erklärte sich am Sonntag allerdings dazu bereit, die Militäraktionen "sofort" einzustellten, berichteten Diplomaten nach einem Krisentreffen von Vertretern der sudanesischen Regierung mit Repräsentanten der Vereinten Nationen in Khartum.

Die sudanische Regierung habe sich mit Hubschrauberangriffen am Samstagabend auf das Dorf Labado im Süden Darfurs über die Frist zum Abzug ihrer Truppen hinweggesetzt, sagte der der Sprecher der Afrikanischen Union (AU), Assane Ba, der Nachrichtenagentur Reuters.

Am Samstag hatte der AU-Kommandeur im Sudan, Festus Okonkwo, den von den Vermittlern ultimativ geforderten Rückzug der Regierungstruppen noch bestätigt. "Die Situation hat sich verändert, nach dem jüngsten Bericht von General Okonkwo hat Sudans Regierung nicht eingelenkt", erklärte Ba am Sonntag.

Bei einer daraufhin eingerufenen Dringlichkeitssitzung mit Vertretern der AU und der Vereinten Nationen (UN) in Khartoum versicherte die Regierung des ostafrikanischen Landes einem britischen Diplomaten zufolge, sie werde ihre Militäreinsätze sofort beenden. "Die Regierung hat die AU und die UN darum gebeten, diese Entscheidung den Rebellen zu übermitteln und sie aufzufordern, ihre Militäreinsätze ebenfalls einzustellen", sagte der britische Botschafter William Patey.

In Darfur spielt sich nach Einschätzung der UN die derzeit größte Katastrophe weltweit ab. Durch fast zwei Jahre andauernde Kämpfe zwischen Milizen und Rebellen seien dort mehr als 1,5 Millionen Menschen vertrieben worden. Seit März seien rund 70.000 Menschen durch Exzesse islamistischer Reiterhorden und infolge von Hunger und Elend umgekommen.

In Abuja finden die seit Monaten festgefahrenen Friedensverhandlungen statt. Wegen der erneuten Zuspitzung des Konflikts hatte die Afrikanische Union vor einer Woche mit der Einschaltung des Weltsicherheitsrats gedroht. (APA/Reuters/dpa)

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