Die "Nacht der Mutter"

19. Dezember 2004, 16:49
posten

Weihnachten geht auf das heidnische Fest "Julfest" zurück - Geburt durch die Frau im Mittelpunkt

Die ersten drei Jahrhunderte war vom Geburtstag Christi keine Rede. Erst im vierten Jahrhundert entflammte eine Diskussion in den christlichen Kirchen, welches Datum für diese Feier geeignet sei. Ein Vorschlag betraf den Tag des Koreion, an dem die göttliche Jungfrau in Alexandria den Aion geboren hatte. Heute ist dieser Epiphanias-Tag in der armenischen Kirche noch immer der offizielle Geburtstag Christi und auch in der griechisch-orthodoxen Kirche wird dieser Tag mehr gefeiert als Weihnachten.

Geburt der Sonne

Dagegen stimmten die römischen Kleriker für das Mittwinterfest des Mithraskultes, welches von Kaiser Aurelianus mit dem griechischen Sonnenfest der Helia vermischt worden ist. Das ist der 25. Dezember, an dem die meisten heidnischen Mysterienkulte die Geburt des göttlichen Kindes durch eine Göttin zur Wintersonnenwende feierten. Schlussendlich fiel die Entscheidung auf den 25. Dezember und im Jahr 336 wurde das christliche Weihnachtsfest erstmal und zwar in der römischen Stadtliturgie gefeiert. Der Begriff "Weihnachten" wurde jedoch erst im Mittelalter, etwa ab 1150 verwendet.

Die Wintersonnenwende umfasst den Zeitraum vom 20. bis 24. Dezember und ist eine Feier der zyklischen Wiederkehr des Lichts, dessen dunkelster Tag des Jahres als "Julfest" bekannt wurde. "Jul" bedeutet demnach "Rad", "Kreislauf", "Wiederkehr".

Nacht der Mutter

Die Nacht der Geburt, der christliche "heilige Abend", hieß ursprünglich "Modranect" oder angelsächsisch "Modraniht", lateinisch "matrum nox", was "Nacht der Mutter" bedeutet und bereits viele Jahrhunderte vor dem christlichen Weihnachtsfest gefeiert worden ist. Hierbei stand jedoch die Geburt durch die Frau – und nicht des Kindes – im Vordergrund. Doch die patriarchalen Religionsschreiber und –durchsetzer waren bestrebt, das Wissen um die Göttinnen-Verehrung auszulöschen. Das ist auch der Grund, warum Maria, die Muttergottes, zwar in der monotheistischen christlichen Religion noch aufscheint, sozusagen als Göttin-Überbleibsel, aber entmachtet und deformiert. Wenn Sie mehr über die Hintergründe dieser Auslöschung lesen wollen: Kalender der Mondgöttin. (red)

Literatur
Barbara G. Walker
Das geheime Wissen der Frauen
Ein Lexikon.
( The Woman's Encyclopedia of Myths and Secrets
HarperCollins Publisher, New York 1983
)
  • Bild nicht mehr verfügbar
    Auch der Mond war von jeher ein Symbol der zyklischen Wiederkehr.
  • Artikelbild
    buchcover
Share if you care.