Weltklimakonferenz endete mit Minimalergebnis

20. Dezember 2004, 12:16
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EU und USA vereinbaren Nachfolgetreffen für Mai 2005 - Weiterhin unklar, was nach Kyoto-Protokoll kommt - US-Umweltschützer reagierten verärgert

Buenos Aires - Am Ende der Weltklimakonferenz in Buenos Aires haben sich die EU und die USA auf einen Minimalkompromiss zur künftigen Klimapolitik geeinigt. Beide Seiten vereinbarten am Samstag ein informelles Nachfolgetreffen für Mai 2005 in Bonn. Weiterhin unklar ist, was auf das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen folgen soll, das die USA ohnehin nicht unterzeichnet haben. Das Protokoll tritt am 16. Februar in Kraft und wird 2012 auslaufen. US-Umweltschützer reagierten verärgert über den Ausgang der Konferenz.

Nächstes Treffen soll auch Zukunftsfragen behandeln

In dem nach zähem Ringen erzielten Kompromiss setzten die USA durch, dass es im kommenden Jahr nur ein einziges Treffen geben wird. Die Europäer erreichten, dass es mehrere Tage dauern soll. Außerdem soll nicht nur über die aktuelle Klimapolitik, sondern auch damit verbundene Zukunftsfragen beraten werden. Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob die zweiwöchige Weltklimakonferenz mit rund 2.000 Diplomaten und zahlreichen Umweltministern ergebnislos beendet werden müsste. In letzter Minute, nach einer Nachtsitzung und einer Verlängerung der Tagung bis Samstag, kam immerhin die Einigung auf das Bonner Treffen zu Stande.

Frankreichs Umweltminister Serge Lepeltier hatte zuvor gesagt, ihm sei kein Kompromiss lieber als ein schlechter. "Wir wollen nicht um jeden Preis ein Abkommen." Ganz ähnlich hatte Freitag Nachmittag auch Österreichs Umweltminister Josef Pröll (V) argumentiert. "Eine Weichenstellung hier zu erreichen, wäre schön. Aber eine schlechte Lösung zu akzeptieren, nur um überhaupt eine zu haben, wäre falsch", erklärte Pröll.

Vereinbarung für Zeit nach Kyoto-Protokoll nur gemeinsam mit USA sinnvoll

Die Europäische Union glaubt, dass eine Vereinbarung für die Zeit nach dem Kyoto-Protokoll ohne den größten Treibhaus-Produzenten USA keinen Sinn macht. Da Washington das Protokoll nach wie vor ablehnt, werden die USA im Mai nur als Beobachter teilnehmen. Den Kyoto-Ländern ist es jedoch wichtig, die USA am Tisch zu halten. Die nächsten offiziellen Gespräche mit Blick auf die Zeit nach dem Kyoto-Protokoll sind für kommenden November geplant.

Im Kyoto-Protokoll verpflichten sich die großen Industriestaaten, den Klimakiller Kohlendioxid und andere Treibhausgase bis 2012 um 5,2 Prozent gegenüber 1990 abzubauen. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern ist jedoch ein Abbau von rund 60 Prozent dringend nötig. Umweltschützer kritisierten erneut die Blockadehaltung der USA. Jennifer Morgan vom WWF warf der US-Regierung vor, unter keinen Umständen über die Zukunft reden zu wollen. "Ihr Ziel ist es, zu zerstören", sagte Steve Sawyer von Greenpeace.

Saudi-Arabien ließ noch offen, ob es den Konsens von Buenos Aires annehmen werde. Der Ölstaat blockiert regelmäßig Gespräche über die Klimapolitik. Gegner des Kyoto-Protokolls sind auch der zweitgrößte Treibhausgas-Produzent China und die ebenfalls rapide wachsende Volkswirtschaft Indien. (APA)

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